DDR-Literatur

Der Begriff „DDR-Literatur“ bezeichnet alle Werke, die ab 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 in der Deutschen Demokratischen Republik bis zur Wiedervereinigung (1990) verfasst worden sind. Diese Periode kann in vier Phasen unterteilt werden:

1. 1945 – 1949: Rückkehr

Viele Schriftsteller kehren aus dem Exil in die Sowjetische Besatzungszone zurück, zum Beispiel Bertolt Brecht, Stefan Heym oder Anna Seghers. Sie alle sind von der Hoffnung getragen, eine antifaschistische, demokratische und sozialistische Gesellschaft entwickeln zu können, in der die Werte Freiheit und Gleichheit hochgehalten werden. Der Krieg und seine Folgen und die Herrschaft der Nazis sind die Themen, die die zeitgenössischen Autoren beschäftigen.

2. 1949 – 1961: Aufbau

Am 7. Oktober 1949 wird die DDR auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone gegründet. Die regierende Partei (SED) proklamiert den Aufbau des Sozialismus und von Anfang an soll die Literatur ihren Beitrag dazu leisten. Die "Aufbauliteratur" schildert die neuen Produktionsverhältnisse nach sowjetischem Vorbild. Die Arbeiter sind oft die Helden, die trotz der Sabotageversuche der „bösen Kapitalisten“ siegen. Es gelingt ihnen schließlich, funktionierende Industrieanlagen zu errichten.

Durch diese positiven Beispiele des „sozialistischen Realismus“ sollen die Bürger der DDR zum Sozialismus erzogen werden und lernen, sich für die neue soziale Gerechtigkeit zu engagieren. Die zuversichtliche Widerspiegelung der Wirklichkeit und die optimistische Zukunftsperspektive werden in den Werken der Autoren in einer einfachen und leicht verständlichen Sprache beschrieben. In der Aufbauphase des Sozialismus finden die Ziele der DDR-Führung bei den Autoren ungebrochene Unterstützung, was nicht zuletzt auch darin begründet liegt, dass viele Schriftsteller im antifaschistischen Widerstand tätig waren oder im Exil lebten.

3. 1961 – 1971: Ankunft

Im Jahre 1961 wird die Mauer gebaut, was von vielen Menschen als ein Schock erlebt wird. Die Literatur liberalisiert sich in den kommenden Jahren allmählich. Die DDR–Autoren werden dazu aufgefordert, in die Betriebe zu gehen, um dort die Situation der Arbeiter kennenzulernen. Die Werke dieser Zeit sind durch diese Weisung gekennzeichnet. Die Hauptfiguren sind nun meist jüngere, intellektuelle Menschen, die den Glauben an den Sozialismus entwickeln.

Eine vorsichtige Kritik der einzelnen Autoren ist schon zu dieser Zeit spürbar. Sie betrifft unter anderen die folgenden Themen: Den Mauerbau, die Stasi, die Staatsführung, die Unterordnung des Individuums unter die Gesellschaft. Ab 1965 verstärkt sich die staatliche Einflussnahme auf die Literatur.

4. 1971 – 1990: Liberalisierung und Kritik

Im Jahre 1971 wird Erich Honecker zum neuen Ersten Sekretär der SED gewählt und löst somit Walter Ulbricht ab. Die Phase des Aufbaus des Sozialismus wird als abgeschlossen betrachtet und die "entwickelte sozialistische Gesellschaft" wird proklamiert. Den Autoren wird mehr Freiheit zugebilligt. In den Werken steht nun nicht mehr der Triumph des Sozialismus im Vordergrund, sondern es geht nun um die Probleme des Individuums in der Gesellschaft, die z.B. Ulrich Plenzdorf in seinem Werk: „Die neuen Leiden des jungen W.“ thematisiert.

Die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann, der 1976 von einer Tournee durch die BRD nicht mehr in die DDR zurückkehren darf, beendet das Liberalisierungsvorhaben: Zahlreiche Künstler protestieren. Viele Autoren distanzieren sich von der Herrschaft der SED. Der Alltag im Sozialismus wird kritisiert und ein humaner Sozialismus gefordert. Es entwickelt sich eine Untergrundliteratur. Viele Werke der oppositionellen Autoren werden in der BRD veröffentlicht. Teils unter Zwang, teils aus freiem Willen siedeln bis zur Wende 1989 circa hundert DDR-Schriftsteller in die Bundesrepublik über.

Die Literatur der DDR, die nach der Gründung der Republik zunächst im Dienste des Sozialismus und des Staates steht, macht im Laufe der Jahre eine nachhaltige Entwicklung durch: Sie ändert ihren Charakter vor allem nach dem Mauerbau(1961), nach dem Amtsantritt von Erich Honecker als Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED  (1971) und nach der Ausbürgerung  Wolf Biermann (1976). Die Schriftsteller distanzieren sich allmählich immer mehr von den Anweisungen der Partei, bis eine Differenz zwischen der westdeutschen und ostdeutschen Literatur vor der Wende 1989 kaum noch erkennbar ist. 

Bedeutende Vertreter der DDR Literatur sind unter anderen Jureck Becker, Christa Wolf, Ulrich Plenzdorf und Stefan Heym.

Wichtige Werke

Jakob der Lügner (1969)

Die neuen Leiden des jungen W. (1972)

Merkmale

  • Zentralistisch organisierte Literatur im Dienst des Staates, Zensur, Genehmigung erforderlich
     
  • Sozialistischer Realismus: Erziehung, Klassenkampf, Optimismus, Utopie, der positive Held
     
  • Mehrere Phasen in Richtung Lockerung. Mauerfall, Liberalisierung, Auswanderung
     
  • Themen: Krieg, Faschismus, Arbeiterwelt, Kritik des Alltags: Konflikte zwischen Individuum und Gesellschaft
     
  • Neue Forderung: Ein humaner Sozialismus