Biedermeier

Der Begriff “Biedermeier” bezeichnet eine kulturgeschichtliche Strömung in Deutschland, die mit der politischen Restaurationszeit einhergeht. Die Epoche spannt sich von der Niederlage Napoleons und der reaktionären Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress 1815 bis hin zur Märzrevolution von 1848.

Die deutschen Fürsten konnten nach dem Sieg über Napoleon zwar ihre Herrschaft wieder festigen, doch sahen sie ihre Macht durch die Ideen der Französischen Revolution bedroht, die im deutschen Bürgertum weiterleben. Um die Verbreitung dieser Ideen zu verhindern, führt der Deutsche Bund 1819[1] eine strenge Zensur ein und lässt seine Untertanen durch Polizeispitzel überwachen.

Die Meinungsfreiheit und Pressefreiheit werden eingeschränkt. Diejenigen Untertanen, die für Liberalismus und den deutschen Nationalstaat eintreten und sich damit der „Volksverhetzung“ schuldig machen, erhalten ein Berufsverbot erteilt, werden verfolgt, eingekerkert oder fliehen ins Exil. Die Autoren, die diesen Weg gehen, werden unter dem Epochenbegriff „Vormärz“ bzw. „Junges Deutschland“ zusammengefasst.

Die schweigende Mehrheit der deutschen Bürger zieht sich jedoch resigniert aus der gefährlichen Politik zurück und wendet sich dem Privaten, dem Heim, zu.  Dort bietet die Familie Sicherheit und Geborgenheit.

Die Themen der Biedermeier-Literatur sind Häuslichkeit, Sittlichkeit, Entsagung und das kleine Glück. Bürgerliche Tugenden, wie Fleiß, Pflichtgefühl, Treue, Ruhe und Ordnung, werden gepriesen, Einfachheit und Bescheidenheit hoch geschätzt.

Ebenso wie die Literatur der Romantik setzt die Literatur des Biedermeier den realen sozialen Verhältnissen eine idyllische Welt entgegen. Sie betont und verklärt das Häusliche, die persönliche Idylle und predigt die Zähmung der Leidenschaften. Die große Welt der Politik, an der der Biedermeier-Bürger keinen Anteil hat, wird ausgeblendet.

Die Autoren des Biedermeier bevorzugen kurze literarische Formen, wie Balladen, Stimmungsbilder, Kurzgeschichten, Skizzen oder Novellen.  Auch Volkslustspiele, wie Komödien oder Zauberstücke, sind beliebte Ausdrucksformen.

Der Begriff „Biedermeier“[2] als Epochenbezeichnung setzte sich erst Ende des 19. Jahrhunderts durch. Er geht auf den fiktiven Lehrer und Spießbürger Gotthold Biedermeier zurück, der die Hauptperson einiger Gedichte war, die ab 1855 in den Münchner Fliegenden Blättern gedruckt wurden. Die Figur interessiert sich wenig für das Leben außerhalb seiner persönlichen kleinen Welt und diente als Karikatur der Biederkeit, der Spießigkeit und der Doppelmoral des zeitgenössischen Bürgertums.

Bedeutende Schriftsteller der Biedermeierzeit sind Eduard Mörike, Annette von Droste-Hülshoff, Adalbert Stifter, Franz Grillparzer und Johann Nestroy.

Bezeichnung

Biedermeier 1815 - 1848

Wichtige Werke

Die Judenbuche (1842)

Merkmale

  • Abwendung von der Politik
  • Resignation
  • Rückzug ins Private
  • Fokussierung auf das Häusliche, das kleine Glück

[1] Karlsbader Beschlüsse

[2] Der Begriff dient auch für die Kunst, die Literatur, die Musik, die Malerei dieser Epoche.