Barock

Als Barock[1] wird die literarische Produktion im Zeitraum zwischen etwa 1600 und 1720 bezeichnet.

Deutschland besteht in der Periode des Barocks aus einer Vielzahl kleiner Länder und Kleinstaaten mit eigenen Verfassungen und Regierungen. Die meisten Menschen leben damals noch auf dem Land und verstehen und akzeptieren die Welt und die Gesellschaftsordnung als gottgegeben.

Zwischen der Renaissance und der Aufklärung ist der Barock von den konfessionellen Auseinandersetzungen zwischen den Katholiken und den Protestanten, durch Seuchen und die Verschärfung der sozialen Gegensätze geprägt. Der blutige und grausame Dreißigjährige Krieg (1618-1648) verursacht mehrere Millionen Tote[2], besonders in den vom Konflikt betroffenen Regionen. Die Folgen des Kriegs sind Leid, Hunger und Armut. Krankheiten, wie Pest, Typhus, Cholera und die Tuberkulose, verschlimmern die Situation und dezimieren die Bevölkerung im ganzen Land. Die Bevölkerungszahl, in Deutschland geht um ein Drittel zurück und erreicht erst wieder im 18. Jahrhundert den Bevölkerungsstand von 1618 (circa 16 Millionen Seelen).

Während der Umgang mit dem Tod für die Bevölkerung täglich ist, führen die absolutistischen Fürsten, die die Wirtschaft kontrollieren, ein luxuriöses und ausschweifendes Leben. Die kontroversen Umstände schlagen sich in der Literatur des Barocks in der Form der Antithetik nieder:  Das Stilmittel der inhaltlichen Gegensätze, wie Leben und Tod, Schein und Sein, Erotik und Tugend, Spiel und Ernst, wird in den Werken häufig verwendet. Die Widersprüche stehen in Verbindung mit der pessimistischen Stimmung der Epoche.

Die drei zentralen Leitmotive des Barocks stehen in einem Spannungsfeld zwischen Sinnenfreude und Todesbangen. Der erste Spruch „Carpe Diem“, aus dem Lateinischen übersetzt: „Ergreife den Tag“, fordert die Menschen dazu auf, den Tag sinnvoll zu nutzen und zu genießen, weil er nach seiner Beendigung unwiederbringlich vorüber ist. Politische Feiern, Tanz, Erotik und irdischer Genuss sind beliebte epikureische Motive des Barocks. Der zweite Leitmotiv „Memento Mori", aus dem Lateinischen übersetzt: „Bedenke dass du sterben musst“ ruft zum Nachdenken über das kurze irdische Leben und den unausweichlichen Tod auf. Der dritte Spruch "Vanitas" steht in Verbindung mit der Erkenntnis der Vergänglichkeit, der Eitelkeit und der Veränderlichkeit der Welt. Die menschliche Schönheit ist nur ein Schein.

Die Emblemliteratur[3] ist in dieser Periode sehr beliebt. Die Lyrik nahm in der Barockliteratur eine besondere Stellung als Gesellschaftsdichtung und lehrhafte Dichtung ein. Die bevorzugte Literaturform war das Sonett.[4] Diese Gedichtform steht für eine geschätzte, klar gegliederte Einteilung und Struktur.[5] Elegie, Epigramm und Ode sind auch an der Mode.

Die erzählende Dichtung in Prosa spielt im Barock eine wichtige Rolle. Neben Predigten, Reisebeschreibungen und wissenschaftlichen Werken erscheinen auch höfisch-historische Romane, Schäferromane, satirische Romane und Schelmen- oder Pikaroromane.[6]

Um eine elegante Ästhetik in den Werken des Barocks zu erreichen, werden viele rhetorische Stilmittel, wie Wiederholungen, Allegorien, Metaphern, Vergleiche, Anaphern, Ellipsen oder Hyperbeln, verwendet. Die Verwendung von Symbolen verleiht den Texten eine verborgene Bedeutung.

In der Barockzeit werden viele Formen des Theaters praktiziert. Wandertheater, Ordensdrama und protestantisches Theater, Oper oder Hoftheater spielen Komödien, in denen Figuren von niederem Stand erscheinen, und Tragödien, in denen hochgestellte und adlige Figuren auftreten.

Die meisten Autoren gehören dem Gelehrtenstand an: Akademiker, Theologen, Beamte und Adlige. Berühmte Literaten des Barocks sind unter anderen Martin Opitz, Andreas Gryphius, Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, Daniel Caspar von Lohenstein und Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. 

Bezeichnung

Barock 1600 - 1720

Wichtige Werke

Romeo und Julia (1597 - Zwischen Renaissance und Barock)

Hamlet (1603 -Zwischen Renaissance und Barock)

Simplicius Simplicissimus (1668)

Merkmale

  • Krieg, Armut, Seuchen / Luxus, Pracht
  • Epoche der Antithetik (Gegensätze)
  • Von Gegensätzen geprägt: Leben und Tod, Sinnenfreude und Tugend, Schein und Sein, Rationalismus und Irrationalismus, Erotik und Tugend
  • Drei wichtige Leitmotive: "Carpe Diem“ / Genieße den Tag, "Vanitas" / Vergänglichkeit, Eitelkeit, Scheinhaftigkeit, "Memento Mori" / Bedenke, dass du sterben musst

[1] Der Begriff Barock stammt vom Portugiesischen barroco und bedeutet übersetzt eine unregelmäßige Perle.

[2] Einige Schätzungen gehen von bis zu sieben Millionen Toten aus. Diese Zahlen sind auch auf die Begleiterscheinungen des Krieges wie Hunger und Seuchen zurück zu führen.

[3] Ein Emblem besteht aus drei Teilen, einer Überschrift, einem Bild und einer meist in Versen verfassten Erklärung.

[4]  Ein Sonett besteht aus 14 Verszeilen, die sich in zwei Quartette und zwei Terzette einteilen lassen.

[5] Martin Opitz legt in seinem „Buch von der Deutschen Poeterey“ (1624) die metrischen Vorschriften für Sonette, Epigramme und Lieder fest.

[6] Der höfisch-historische Roman ist eine Liebes-, Abenteuer- und Staatsgeschichte zwischen Adligen.

Der Schäferroman stellt meistens eine ideale Natur und eine ideale Liebe junger Menschen dar.

Der Schelmenroman oder Pikaroroman ist ein volkstümlicher Abenteuerroman, der die Geschichte eines den untersten sozialen Schichten entstammenden listigen Burschen erzählt, der sich durchs Leben schlägt.