Barock

Als Barock wird die literarische Produktion im Zeitraum zwischen etwa 1600 und 1720 bezeichnet. Deutschland besteht in der Periode des Barock aus einer Vielzahl kleiner Länder und Kleinstaaten mit eigenen Verfassungen und Regierungen. Die meisten Menschen leben damals noch auf dem Land und verstehen und akzeptieren die Welt und die Gesellschaftsordnung als gottgegeben. 

Zwischen der Renaissance und der Aufklärung ist der bzw. das Barock von den konfessionellen Auseinandersetzungen zwischen den Katholiken und den Protestanten, durch Seuchen und die Verschärfung der sozialen Gegensätze geprägt. Der blutige und grausame Dreißigjährige Krieg (1618–1648) verursacht mehrere Millionen Tote, besonders in den vom Konflikt betroffenen Regionen. Die Folgen des Kriegs sind Leid, Hunger und Armut. Krankheiten, wie Pest, Typhus, Cholera und die Tuberkulose verschlimmern die Situation und dezimieren die Bevölkerung im ganzen Land. Die Bevölkerungszahl in Deutschland geht um ein Drittel zurück und erreicht erst wieder im 18. Jahrhundert den Bevölkerungsstand von 1618 (circa 16 Millionen Seelen).

Während der Umgang mit dem Tod für die Bevölkerung alltäglich geworden ist, führen die absolutistischen Fürsten, die die Wirtschaft kontrollieren, ein luxuriöses und ausschweifendes Leben. Die kontroversen Umstände schlagen sich in der Literatur des Barock in der Form der Antithetik nieder: Das Stilmittel der inhaltlichen Gegensätze, wie Leben und Tod, Schein und Sein, Erotik und Tugend, Spiel und Ernst, wird in den Werken häufig verwendet. Die Widersprüche stehen in Verbindung mit der pessimistischen Stimmung der Epoche. 

Die drei zentralen Leitmotive des Barock stehen in einem Spannungsfeld zwischen Sinnenfreude und Todesbangen. Der erste Spruch „Carpe diem“, aus dem Lateinischen übersetzt: „Ergreife den Tag“, fordert die Menschen dazu auf, den Tag sinnvoll zu nutzen und zu genießen, weil er nach seiner Beendigung unwiederbringlich vorüber ist. Politische Feiern, Tanz, Erotik und irdischer Genuss sind beliebte epikureische Motive des Barock. Das zweite Leitmotiv „Memento Mori“, aus dem Lateinischen übersetzt: „Bedenke, dass du sterben musst“, ruft zum Nachdenken über das kurze irdische Leben und den unausweichlichen Tod auf. Der dritte Spruch „Vanitas“ steht in Verbindung mit der Erkenntnis der Vergänglichkeit, der Eitelkeit und der Veränderlichkeit der Welt. Die menschliche Schönheit ist nur ein Schein. 

Die Emblemliteratur ist in dieser Periode sehr beliebt. Die Lyrik nimmt in der Barockliteratur eine besondere Stellung als Gesellschaftsdichtung und lehrhafte Dichtung ein. Die bevorzugte Literaturform ist das Sonett. Diese Gedichtform steht für eine geschätzte, klar gegliederte Einteilung und Struktur. Elegie, Epigramm und Ode sind ebenfalls in Mode. 

Die erzählende Dichtung in Prosa spielt im Barock eine wichtige Rolle. Neben Predigten, Reisebeschreibungen und wissenschaftlichen Werken erscheinen auch Romane, die sich in drei wesentliche Gattungen unterteilen: der höfisch-historische Roman, der Schäferroman und der Schelmenroman.

Um eine elegante Ästhetik in den Werken des Barock zu erreichen, werden viele rhetorische Stilmittel, z. B. Wiederholungen, Allegorien, Metaphern, Vergleiche, Anaphern, Ellipsen oder Hyperbeln, verwendet. Die Verwendung von Symbolen verleiht den Texten eine verborgene Bedeutung.

In der Barockzeit werden viele Formen des Theaters praktiziert. Wandertheater, Ordensdrama und protestantisches Theater, Oper oder Hoftheater spielen Komödien, in denen Figuren von niederem Stand erscheinen, und Tragödien, in denen hochgestellte und adelige Figuren auftreten. 

Die meisten Autoren gehören dem Gelehrtenstand an: Akademiker, Theologen, Beamte und Adelige. Berühmte Literaten des Barock sind unter anderen Martin Opitz, Andreas Gryphius, Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, Daniel Caspar von Lohenstein und Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen.

Merkmale

  • Krieg, Armut, Seuchen / Luxus, Pracht
  • Epoche der Antithetik (Gegensätze)
  • Von Gegensätzen geprägt: Leben und Tod, Sinnenfreude und Tugend, Schein und Sein, Rationalismus und Irrationalismus, Erotik und Tugend
  • Drei wichtige Leitmotive:

Carpe diem“ / Genieße den Tag

Vanitas“ / Vergänglichkeit, Eitelkeit, Scheinhaftigkeit, 

Memento Mori“ / Bedenke, dass du sterben musst

Wichtige Werke

Romeo und Julia (1597 - Zwischen Renaissance und Barock)

Hamlet (1603 - Zwischen Renaissance und Barock)

Der Abentheuerliche Simplicissimus (1668)