Aufklärung

Die gesamteuropäische Bewegung der Aufklärung entwickelt sich schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, besonders in Frankreich und Großbritannien.[1] In Deutschland üben die Vordenker der Aufklärung ihren Einfluss ein bisschen später aus.  Die Werke, die zwischen 1720 und 1790 verfasst werden, werden allgemein der Literatur der Aufklärung zugeordnet.

Der bedeutendste Philosoph der Aufklärung in Deutschland ist sicherlich Immanuel Kant. In seinem Essay "Was ist Aufklärung?" (1784) formuliert er eine Definition der Aufklärung: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Kants Aufruf: „Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!” verkörpert das Motto der Aufklärung.

Die Aufklärer wenden sich den Wissenschaften zu: "Wissen ist Macht"[2]. Die Vernunft (den Rationalismus), die Erfahrung (Empirismus) und die Wahrnehmung durch unsere Sinne (Sensualismus) stellen die Quellen ihrer Erkenntnisse dar. Wissen und Bildung sollen die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit des Menschen fördern. Mittels der Vernunft und des Verstandes sollen Vorurteile und Aberglauben bekämpft werden.  Die Schriftsteller der Aufklärung bemühen sich um die moralische Erziehung ihrer Leser. Sie plädieren für religiöse Toleranz, Religionsfreiheit und Naturrecht. Sie kritisieren die bestehenden staatlichen und gesellschaftlichen Ordnungen und wünschen sich eine größere persönliche Handlungsfreiheit.

Um die die Zuschauer und Leser besser zu erziehen und zu verändern, verfassen die Autoren Dramen, in deren Mittelpunkt nicht nur Adlige, sondern auch bürgerliche Figuren auftreten. Lessing erneuert die Welt des Theaters mit seinen bürgerlichen Trauerspielen. Der bürgerliche Roman erlebt auch eine Blütezeit in der Periode der Aufklärung.  Der Dichter Christoph Martin Wieland verfasst den ersten "Bildungsroman".[3]

Die moralisierenden Fabeln, in denen Tiere auftreten, die menschliche Schwäche zeigen, sind in dieser Periode aufgrund ihrer erzieherischen und belehrenden Erzählweise sehr beliebt. Satire ist auch in der Mode. Schließlich wird die höfische Dichtung schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch die vielfältige Aufklärungslyrik (Oden, Hymnen, Balladen, Gedankenlyrik oder Lehrgedichte) abgelöst.

Viele der Aufklärer sind optimistisch und vertreten die Ansicht, dass eine vernunftorientierte Gesellschaft die Menschen von der Unterdrückung und Armut erlösen wird und dass sie die Gleichheit und die Freiheit der Bürger fordern wird. Doch ab circa 1750 beginnen einige Aufklärer, das aufklärerische Menschenbild und die starre Fortschrittsgläubigkeit anzuzweifeln. Als Gegenreaktion auf den „Vernunftglauben“ entwickeln sich die Strömung des Sturm und Drang und später die der Romantik, die der Irrationalität und den Gefühlen der Figuren Platz einräumen. Die Ideen der Aufklärer lösen viele Veränderungen und Umbrüche, wie die Französische Revolution 1789, aus und prägen noch heute viele Bereiche unserer modernen Welt.

Bedeutende deutschsprachige Aufklärer sind vor allem Johann Christoph Gottsched, Gotthold Ephraim Lessing und Christoph Martin Wieland.

Bezeichnung

Aufklärung 1720 - 1790

Wichtige Werke

Abhandlung über den Ursprung der Sprache (1771)

Emilia Galotti (1772)

Nathan der Weise (1779)

Merkmale

  • Rationalismus, Humanismus
  • Vernunft und Verstand
  • Wissen, Bildung und Erziehung
  • Religions- und Handlungsfreiheit
  • Fortschrittsglauben

[1] Berühmte Vordenker der Aufklärung sind unter anderen René Descartes, Jean-Jacques Rousseau, Denis Diderot, Voltaire, John Locke und David Hume.

[2] Der englische Philosoph Francis Bacon hat diesen Satz in seinen Meditationes sacrae (1597) formuliert.

[3] Geschichte des Agathon (1766/1767)