Historischer Hintergrund

Wurzeln des Antisemitismus

Mit der Einrichtung von Gettos greifen die Nationalsozialisten auf eine alte Praxis zurück. Über Jahrhunderte wurden die Juden in Europa von der mehrheitlich christlichen Bevölkerung angefeindet. Eine erste Zuspitzung dieses Konflikts ist im 11. Jahrhundert im Zuge der Kreuzzüge festzustellen. Die Juden werden hier als die Mörder Jesu Christi verschrien. Im Rahmen des Zweiten Kreuzzugs (1147-1149) kamen noch der Vorwurf des Ritualmordes an Kindern und die Hostienschändung als Vorurteile hinzu.

Den Höhepunkt des Antisemitismus in dieser Zeit bildet der 4. Laterankonzil 1215: Dort wird beschlossen, dass die Juden sich durch ihre Kleidung von der übrigen Bevölkerung unterscheiden sollen. Dazu werden sie mit dem Judenfleck markiert und müssen einen dazugehörigen Hut tragen, was wie eine Vorausdeutung auf den Umgang der Nationalsozialisten mit den Juden erscheint. Nun beginnt auch die Gettoisierung von Juden in größeren Siedlungen. Diese drastische, antijüdische Haltung hält über Hunderte von Jahren an.

Gleichzeitig versuchte der Staat, die Juden zu schützen. Durch ihre festen Familien- und Glaubensverbände verfügten sie über weitreichende Verbindungen und sicherten somit den Handel. Darüber hinaus waren es die Juden, denen Geldgeschäfte erlaubt waren, Christen hingegen nicht. Sie gaben somit Kredite und Zinsen und es kam das Vorurteil des „Wucherjuden“ hinzu. Im ausgehenden Mittelalter werden die Handelswege erweitert, was besonders mit dem zunehmenden bargeldlosen Verkehr zusammenhängt.

Die christlichen Kaufleute werden immer erfolgreicher und betrachten die Juden zunehmend als wirtschaftliche Konkurrenten. Die Schikanen gegenüber den Juden nehmen immer weiter zu und die Tendenz, sie in eigenen, mit Mauern eingeschlossenen Vierteln unterzubringen, verstärkt sich immer mehr. Zwar erhalten die Juden im 18. und 19. Jahrhundert unter dem Eindruck der Französischen Revolution mit ihrer Forderung nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ihre Bürgerrechte zurück und die Gettos werden aufgelöst, die antisemitischen Vorurteile bleiben aber bestehen.

Rasseideologie, Pogrom und Gettos

Im 19. Jahrhundert entwickelt sich der moderne Antisemitismus. Seine Grundlage bezog er aus der Tatsache, dass die Juden nun auch in die Berufsfelder vordrangen, die bis dahin den Christen vorbehalten waren. Mit der aufkommenden Industrialisierung gerieten kleine Selbstständige im Handel, dem Gewerbe und der Landwirtschaft in ökonomische Schwierigkeiten und machten die Juden dafür zu Sündenböcken.

Nach der wirtschaftlichen Depression 1873 wurde der An...

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