Sehnsucht

Einleitung, Aufbau, Metrik und Reimschema

Das Gedicht „Sehnsucht“ von Joseph von Eichendorff wurde zum ersten Mal im Rahmen des Romans „Dichter und ihre Gesellen“ im Jahr 1833 veröffentlicht. Die Erzählung berichtet über die Reise eines Mannes mit dem Namen Fortunat, die mit zahlreichen Nebenhandlungen ausgeschmückt ist. Das hier vorgestellte Gedicht wird im Rahmen der Romanhandlung von der Verlobten des Fortunat, Fiametta, gesungen. Die aus Italien stammende Frau kommt durch harte Schicksalsschläge nach Deutschland, wo sie den ihr aus Italien bekannten Fortunat wiedertrifft. Kurz vor der Trauung des Paares singt sie mitten in der Natur, umgeben von Kornfeldern, zur Gitarrenmusik dieses Lied.

Joseph von Eichendorff ist ein wichtiger Vertreter der Spätromantik. In seiner Lyrik nimmt die Magie der Natur eine zentrale Stellung ein. Die Einheit von Mensch und Natur, die Nacht und die Sehnsucht sind häufige Motive in seinen Gedichten. Wie der Titel des Gedichts bereits verrät, handelt es sich auch bei „Sehnsucht“ um ein romantisches Werk. Typisch für diese Zeit ist auch die Vermischung von Gattungen, wie auch in diesem Fall die Verbindung von Lyrik und Prosa.

Das Tradierte wurde von den Romantikern stets bevorzugt. Sie verbanden damit das Natürliche und Reine. Aus diesem Grund erscheinen die romantischen Gedichte häufig im Gewand alter Volkslieder. So ist es auch bei dem Gedicht „Sehnsucht“, welches ein streng kalkuliertes Kunstprodukt darstellt, jedoch einen klaren Volksliedton aufweist. Es besteht aus drei Strophen mit jeweils acht Versen. Jeder Vers hat drei Hebungen. Das Metrum ist unregelmäßig. In den ersten vier Versen jeder Strophe dominiert ein Daktylus mit Auftakt.

Das Reimschema ist: ababcdcd ebebfdfd ghghidid. Jede Strophe besteht dementsprechend aus zwei Kreuzreimen. Die Kadenzen wechseln, beginnend mit einer weiblichen Kadenz.

Die erste Strophe

In der ersten Strophe beschreibt das Lyrische Ich seine Umgebung. Durch die Formulierung mit dem Personalpronomen „Es“ entsteht eine Distanz zwischen dem Lyrischen Ich und der Natur. Der Abstand wird dadurch verstärkt, dass der Sprecher oder die Sprecherin durch ein Fenster von der Natur getrennt ist. Er/sie ist damit nicht mit der Natur vereint, sondern ein/e stille/r Beobachter/in.

Das Adjektiv „golden“ wird an dieser Stelle als Metapher für das Licht der Sterne verwendet. Der erste Vers verweist darauf, dass sich das Geschehen in der Nacht abspielt. Die Alliteration „schienen“ und „Sterne“ unterstreicht das. Typisch für die romantische Lyrik ist auch die Situation des Sprechers oder der Sprecherin – „einsam“ und „Am Fenster“; eine gewisse Melancholie wird hier transportiert. Die Situation wird zudem durch den Satzbau unterstrichen. Durch die Inversion steht die Ortsbestimmung „Am Fenster“ zu Beginn des Verses.

Das Lyrische Ich hört „aus weiter Ferne“ ein „Posthorn im stillen Land“ erschallen. Das Adjektiv „still“ unterstreicht die nächtliche Atmosphäre. Das Nomen „Land“ verdeutlicht, dass der Sprecher oder die Sprecherin sich nicht in einer städtischen Gegend befindet, aus seinem/ihrem Fenster folglich Land und Natur beobachten kann.

Die nächtliche Ruhe unterbricht das erste akustische Signal. Das „Posthorn“ gehört zu der Postkutsche, mit der Menschen zu Lebz...

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