Glaubensfrage

Mendels Schuld

Ein zentrales Thema des Romans ist auch die Glaubensfrage, die hauptsächlich mit der Person Mendels verknüpft ist. In schwierigen Zeiten gibt ihm der Glaube festen Halt, seine Religiosität wird als „schlichte Frömmigkeit“ (S. 18) bezeichnet. In glücklichen Zeiten nutzt er das Gebet, um seiner Freude Ausdruck zu verleihen: „Es sang aus ihm. Er hatte Gnade erfahren und die Freude. Auch über ihm wölbte sich Gottes breite, weite, gütige Hand. Von ihr beschirmt und ihr zu Ehren sang er einen Psalm nach dem andern“ (S. 116-117).

Im Laufe der Erzählung wandelt sich Mendels Verhältnis zu seinem Glauben. Als er erfährt, dass der Krieg in Europa ausgebrochen ist, lassen ihn die Bilder seiner beiden zurückgelassenen Kinder nicht mehr los. An Abend nach diesen Neuigkeiten versucht er zu beten, doch „er wurde nicht ruhig“ (S. 123). In diesem Moment beginnt sich sein Glaubenskonflikt zu entwickeln: „Manchmal erschrak er über die Erkenntnis, daß sein einziges Mittel, das Singen der Psalmen, ohnmächtig sein könnte in dem großen Sturm, in dem Jonas und Menuchim untergingen“ (S. 123)

Bis dahin glaubt er, dass das Leben als frommer und zurückhaltender Jude seine Funktion im Leben ist und dass er mit seinen Gebeten das Schicksal und die Gesundheit seiner Kinder beeinflussen kann. Doch vor den lauten „Kanonen“ und den gewaltigen „Flammen“ (S. 123) scheinen seine Gebete zu versagen, er gibt sich selbst die Schuld dafür: „... meine Kinder verbrennen, meine Schuld ist es, meine Schuld! Und ich singe Psalmen. Es ist nicht genug! Es ist nicht genug!“ (S. 123).

Mendel verkörpert das Sinnbild eines frommen und einfachen Juden. Er hinterfragt daher in früheren Jahren weder seine Lebensaufgabe noch seine Religion. Dadurch gelingt es ihm, vor allem in der Ausübung seines Glaubens stets einen festen Anker zu finden, unabhäng...

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