Joseph Roth

Joseph Roth wurde am 2. September 1894 als Sohn von Maria Grübel und dem österreichischen Holz- und Getreidehändler Nachum Roth im galizischen Schtetl Brody geboren. Seine Mutter stammte aus einer Familie jüdischer Kaufleute, sein Vater handelte mit Holz und Getreide. Roth beschrieb seine Kindheit und Jugend im Nachhinein als eine von Geldsorgen und Mangel geprägte Zeit, obwohl die Familie durchaus dem bürgerlichen Milieu zugerechnet werden konnte. Joseph konnte ein Gymnasium in Brody besuchen (1905-1913). Seine Mutter konnte sich sogar ein Dienstmädchen leisten. Auch seine spätere Verpflichtung als Einjähriger während des Ersten Weltkriegs war nur aufgrund der ausreichenden finanziellen Absicherung möglich.

1913 schloss Joseph Roth sein Abitur mit Auszeichnung ab und schrieb sich an der Universität Lemberg für ein Germanistikstudium ein. Im darauffolgenden Jahr wechselte er zur Universität Wien. Da er sich 1916 freiwillig zum Militärdienst meldete, musste er sein Studium unterbrechen, das er auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs nicht wieder aufnahm.

Roth lernte Friederike (Friedl) Reichler in Wien kennen und heiratete sie dort am 5. März 1922. Nachdem bereits 1926 bei ihr erste Anzeichen einer Geisteskrankheit diagnostiziert worden waren, brach die Krankheit 1928 voll aus, im November 1930 war sie so sehr erkrankt, dass sie in ein Wiener Sanatorium eingeliefert werden musste. 1935 beantragte Roth die Scheidung. Bereits 1929 ging Roth wieder neue Beziehungen mit Frauen ein, obwohl ihn die Krankheit seiner Frau sehr belastete. So lebte er in den folgenden Jahren unter anderem mit der jüdischen Schauspielerin Sybil Rares, der Frau des Prince de Douala et Bonanyo, Andrea Manga Bell, und der Schriftstellerin Irmgard Keun zusammen. Alle Beziehungen zerbrachen unter anderem an der krankhaften Eifersucht Roths.

Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Jahr 1933 verließ Roth Deutschland und emigrierte zuerst nach Paris, später auch in die Niederlande, Österreich und Polen. Da Roths Bücher in Deutschland verboten und verbrannt wurden, wurden seine Werke nun von niederländischen und belgischen Exilverlagen herausgegeben. Er starb am 27. Mai 1939 im Pariser Exil an den Folgen einer Lungenentzündung und eines Alkoholentzugs.