Johannes R. Becher

Leben

Becher wird 1891 in München geboren. Sein Vater ist als Amtsrichter am Münchner Landgericht tätig. Er versucht, dem gutbürgerlichen Elternhaus und der strengen Erziehung des Vaters r zu entfliehen, und gibt sich der Literatur hin. Er ist ein großer Verehrer von Heinrich Kleist.

Becher unternimmt mit seiner damaligen Freundin im Jahr 1910 einen Suizidversuch, den die Freundin nicht überlebt. Ab 1911 studiert Becher Philosophie und Medizin in Berlin, München und Jena. Er ist stark morphiumsüchtig und verbringt mehrere Aufenthalte in einer psychiatrischen Klinik. Er kann sein Studium nicht fortsetzen und wird für dienstunfähig erklärt. 1918 versucht er, sein Medizinstudium wieder aufzunehmen, doch da er kein Führungszeugnis vorlegen kann, wird ihm die Immatrikulation verweigert.

Ebenso wie Ernst Toller ist Becher politisch sehr aktiv und setzt sich für den sozialistische Idee ein. Seit 1917 ist er Mitglied der USPD, Mitglied des Spartakusbundes und tritt 1919 in die KPD ein. Er ist im Jahr 1928 Mitbegründer des „Bundes proletarisch revolutionärer Schriftsteller“ und gibt deren Zeitschrift „Die Linkskurve“ heraus. 1932 wird Becher Feuilleton – Redakteur in der sozialistischen Zeitschrift „Die rote Fahne“.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigriert Becher zunächst nach Prag und dann nach Paris. Nachdem ihm seine deutsche Staatsbürgerschaft 1934 aberkannt worden ist, geht er nach Moskau und arbeitet dort als Chefredakteur der von Exilanten herausgegebenen literarischen Zeitschrift „Internationale Literatur – Deutsche Blätter“. Im gleichen Jahr wird er Mitglied des Zentralkomitees der KPD. 1943 gründet er die Widerstandsvereinigung „Nationalkomitee Freies Deutschland“ mit und kehrt nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 nach Berlin zurück, wo er Mitgründer und Präsident des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ wird.

Becher setzt sich in starkem Maße für die Wiederkehr emigrierter Literaten ein. 1945 ruft er den „Aufbau Verlag und die Zeitschriften „Aufbau“ und „Sonntag“ ins Leben und 1949 die Literaturzeitschrift „Sinn und Form“. 1950 verfasst Becher die Nationalhymne der DDR, wofür er den Nationalpreis der DDR verliehen bekommt. 1960 folgt die Ehrendoktorwürde der Humboldt–Universität Berlin. Becher wird Mitbegründer der Deutschen Akademie der Künste, deren Präsident er von 1953 bis 1956 ist. Von 1954 – 1958 ist Becher erster Minister für Kultur. Er verstirbt 1958 in Berlin.

Werke

Bereits nach seinem Abitur im Jahr 1911 werden die Lyrikbände „Verfall und Vernunft“ und „der Ringende“, eine Hymne zu Kleist 100. Todestag verfasst, veröffentlicht. Es folgen 1913 „De Profundis Domine“. Toller ist seit 1914 Mitglied in den expressionistischen Literaturzeitschriften „Die Aktion“ und „Die neue Kunst“. 1916 erscheint sein Lyrikband „An Europa“, 1918 „Päan gegen die Zeit“ und 1919 der Gedichtband „An Alle“, in dem er sein Bekenntnis zur sozialistischen Idee zum Ausdruck bringt.

In seinem 1926 erschienenen Gedichtband „Maschinenrhythmen“ beschreibt Becher das harte Arbeitsleben des Proletariats und ruft zur Revolution auf. 1938 erscheint der Lyrikband „Der Glückssucher und die sieben Lasten“, in dem er sich mit dem Faschismus auseinandersetzt. Von seinen Erlebnissen im Exil berichtet sein Gedichtband „Heimkehr“, 1946 erschienen. Daneben publizierte Becher Romane und eine Autobiografie und verfasst zahlreiche Aufsätze und theoretische Schriften.

Bechers politische Ambitionen finden auch in seinem literarischen Schaffen Ausdruck. In seinen Werken wendet er sich gegen die bestehenden Gesellschaftsordnungen und ruft in seinen späteren Arbeiten zum aktiven Widerstand auf. In seinen frühen Gedichten verwendet Becher in Anlehnung an Trakl und Liechtenstein eine ausdrucksstarke expressive Sprache. Um eine neue Gesellschaftsform zu verwirklichen, muss nach dem Verständnis von Becher auch eine neue Sprache gefunden werden, die sich von der alten, der faschistischen Sprache unterscheidet. Für Becher ist die Literatur ein 'Sprachrohr' und als solches unmittelbar mit der politischen Aktivität verbunden.