Menschenbild

Das ursprüngliche Menschenbild im Drama ist das eines schwachen, fremdgesteuerten Menschen, dessen Leben und Schicksal abhängig sind vom Willen der Mächtigen und der Götter. Deutlich wird dies auch daran, dass diese willkürlich über Leben und Tod entscheiden können, wie beispielsweise Thoas, der aus einer Stimmung heraus die Menschenopfer wieder etablieren will.

Abgesehen davon kann speziell differenziert werden zwischen der Rolle des Mannes und der der Frau, die im Drama präsentiert werden. Die Frau, repräsentiert durch Iphigenie, hat von Kindheit an gelernt zu gehorchen, sowohl den eigenen Eltern als auch den Göttern und den Männern: „Von Jugend auf hab‘ ich gelernt gehorchen,/Erst meinen Eltern und dann einer Gottheit“ (S. 66). In ihrem Eingangsmonolog bedauert Iphigenie diesen Zustand und ruft aus „Der Frauen Zustand ist beklagenswert“ (S. 9), da der Mann sowohl zu Hause als auch im Krieg herrschen würde und das Schicksal der Frau eng an den Mann gebunden sei. Erstaunlich ist, dass sich Iphigenie von Beginn an weigert, Thoas zu heiraten. Als sie seinem Werben nicht nachgibt, bricht sie bereits aus der erwarteten und erlernten Frauenrolle aus. Von Anfang an identifiziert sich Iphigenie nicht mit den in ihrer Jugend vermittelten Werten und der traditionellen kulturellen Position.

Der Emanzipationsprozess und die Schritte in die individu...

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