Rezensent

Das Gedicht „Rezensent“ hat Goethe im März 1774 anonym und ohne Titel veröffentlicht. Der Anlass für das Verfassen dieser Verse ist nicht genau bekannt. Klar ist jedoch, dass eines der Werke Goethes eine negative Rezension bekam und dies den Dichter so aufbrachte, dass er zurückschlagen wollte.

Der Rezensent könnte Christian Heinrich Schmid, ein Gießener Professor der Dichtkunst und Beredsamkeit, gewesen sein. Goethe behielt seine Arbeiten im Auge und revanchierte sich vermutlich mit dem Gedicht auf Schmids Rezension zu einem seiner ersten größeren Werke, „Götz von Berlichingen“, aus dem Jahr 1773.

Möglicherweise referiert das Gedicht auch indirekt auf eine Mahlzeit im August 1772, bei der Goethe und seine Freunde Schmid zum Essen in ein Wirtshaus einluden und ihm einen Streich spielten. Goethe, verkleidet wie ein armer Student, hielt bei der Gelegenheit eine Rede, die den Rezensenten indirekt verspottete.

Das Gedicht ist im Stil einer volkstümlichen Verserzählung im Knittelvers verfasst. Es handelt sich folglich um einen vierhebigen Jambus in Paarreimen. Die zwölf Verszeilen sind nicht in Strophen gegliedert. Das Reimschema des Gedichts ist „aabbccddeeff“. Die Reime a, b, c, e sind reiche Reime.

Die Reime d und f dagegen sind unreine Reime. Es ist auffällig, dass die unreinen Reime in Sequenzen auftreten, die der Autor als besonders kritisch betrachtet: das Kritisieren des Essens bei den Nachbarn oder eben die Tätigkeit als Rezensent. Im Vers 11 wechselt das Versmaß auf einen dreihebigen Jambus. Dieser Wechsel bewirkt eine Pause vor dem abrupten Schluss. Der letzte Vers ist ein sechshebiger Trochäus, wobei das Wort „schlagt“ hervorgehoben wird. Die Kadenzen im 11. und 12. Vers sind ausschließlich m...

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