Prometheus

Entstehung und Aufbau

„Prometheus“ heißt das in den Jahren zwischen 1772 und 1774 verfasste Gedicht des jungen Johann Wolfgang von Goethe, der 1774 seinen 25. Geburtstag feierte. Das Poem ist zum ersten Mal unautorisiert und anonym in der Schrift „Über die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn“ des deutschen Schriftsellers und Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819) im Jahr 1785 veröffentlicht worden. Der Dichter selbst integrierte das Werk erst 1789 in seine neu edierten Schrif…

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Wer ist Prometheus?

Vor der ausführlichen Analyse bleibt nur noch die Frage: Wer ist Prometheus, der in den Versen als das Lyrische Ich auftritt? Prometheus ist eine Figur der griechischen Mythologie. Er gehört dem Göttergeschlecht der Titanen an und besitzt die Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, wie es schon sein Name andeutet: Der Name Prometheus bedeutet nämlich übersetzt: der Vorausdenkende.

Als Zeus, der oberste olympische Gott, Kronos und die Titanen stürzen will, schließt Prometheus sich ihm an und kann aus diesem …

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Hymne oder Ode?

Fraglich ist es, ob es sich bei den Zeilen um eine Hymne oder eine Ode handelt. Beide Gattungszuweisungen sind möglich und in der Sekundärliteratur bereits angewendet worden. Die Hymne, eine typische Gattung der Genie-Epoche, enthält mythische Figuren, die als Vertreter der Künstler fungieren oder zur Thematisierung des Zwiespalts zwischen Kunst und Leben …

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Erste Strophe

Die erste Strophe der Ode besteht aus zwölf Versen. Schon in den ersten beiden Verszeilen wird die Einstellung des Prometheus zu dem angesprochenen Gegenüber deutlich. Ohne jeglichen Respekt spricht er den Höchsten aller Götter mit „Du“ an und formuliert mit dem Imperativ „Bedecke“ eine Forderung: Zeus soll den Himmel mit Wolkendunst bedecken. Diese Apostrophe[1] beinhaltet die Aufforderung, sich hinter den Wolken zu verbergen.

Da der Herrschaftsbereich des Zeus der Aither ist, der obere Himmelbereich, der Sitz des Lichts und der Götter in der griechischen Mythologie, bedeutet ein Bedecken des Himmels mit Wolkendunst eine getrennte Blickverbindung zwischen Zeus und der Erde, wo sich Prometheus zum Zeitpunkt seiner Rede befindet. Der Sprechende möchte folglich weder von Zeus gesehen werden, noch diesen selbst wahrnehmen können.

Die dritte Verszeile ist durch einen weiteren Imperativ „übe“ gekennzeichnet. Die damit verbundene Aufforderung erstreckt sich auf die Verse drei, vier und fünf. Die beiden Forderungen werden durch die dem Imperativ vorausgehende Konjunktion „Und“ miteinander …

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Zweite Strophe

Der vorher erwähnte „Neid“ sowie der Hinweis, dass Zeus nichts erschaffen und folglich keine wesentliche Leistung erbracht hat, leiten zu dem Inhalt der zweiten Strophe über, die aus neun Versen besteht. Gleich in der ersten Verszeile weitet das Lyrische Ich seine Ansprache auf alle Götter aus. Die beiden ersten Verse der Strophe sind mit einem Enjambement miteinander verknüpft.

Die Demütigung soll nun nicht mehr Zeus allein tragen. Für Prometheus gibt es unter der Sonne und folglich unter dem Bekannten und Erfahrbaren nichts Ärmeres als die Götter. Dies suggeriert, …

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