Nachtgesang

Einleitung, Aufbau und Reimschema

Das volkstümlich klingende Lied „Nachtgesang“ entsteht im Jahr 1804. Es handelt sich hierbei um ein höchst kunstvolles Sprachgebilde, das sehr melodisch anklingt und inhaltlich viele Geheimnisse in sich birgt. Die musikalische Hinwendung des oder der Singenden zu seiner oder ihrer schlafenden Liebe werden hier wiedergegeben. Die Fragen des neugierigen Lesers, der mehr über die Beziehung erfahren möchte, bleiben in diesem Lied jedoch unbeantwortet. Er soll lediglich der schönen Wortmelodie lauschen und sich an der im Gedicht getragenen Stimmung erfreuen.

Das Lied besteht aus fünf Strophen zu je vier Versen. Es ist in Kreuzreimen verfasst. Das Reimschema jeder Strophe ist folglich „abab“. Das Lied kommt mit nur zwei Reimfiguren aus. Der erste und der dritte Vers jeder Strophe enden stets auf „-ühle“ oder „-iele“, der zweite und der vierte auf „-ehr“, „-ör“ oder „-er“. Die Reimart variiert dabei zwischen reichen und unreinen Reimen. Eine Ausnahme stellt der rührende Reim „Heer“ – „mehr“ in der zweiten Strophe dar. Das Metrum des Gedichts ist ein dreihebiger Jambus. In Verbindung mit den alterierenden Kadenzen erzeugt dieser einen ruhigen und eintönigen Rhythmus, der müde macht und zum Schlaf überredet.

Den Endvers jeder Strophe „Schlafe! was willst du mehr!“ übernimmt Goethe aus einem italienischen Volkslied „Dormi, che vuoi di più?“, welches er während seines Italienaufenthaltes oder in der Version Johann Friedrich Reichards kennenlernte. Diese identische Wiederholung sowie die beinahe wortgleiche Wiedergabe jedes dritten Verses im ersten Vers der nächsten Strophe erzeugen die Kreisförmigkeit des Liedes. Der Kreis wird geschlossen, indem der dritte Vers der letzten Strophe in einer leicht abgewandelte...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 4,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen