Mignons Lied

Dieses Lied wurde im Entwicklungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ im Jahr 1795 veröffentlicht, wo es von der geheimnisvollen Figur Mignon vorgetragen wird. Im Roman heißt es, das Lied hätte ursprünglich einen anderen Klang gehabt, da es von Mignon in einem von Italienisch und Französisch durchzogenem Deutsch vorgetragen worden sei, nur teilweise verständlich und unzusammenhängend. Die schließlich im Roman präsentierte Fassung ist eine Übersetzung von Wilhelm Meister, die, wie der Übersetzer selbst behauptet, das Original nur entfernt nachahmen könne. Obwohl die Urfassung des Gedichts nur eine Romanfiktion ist, gibt ihre Erwähnung in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ einen Hinweis zur Interpretation des Gedichts, eine Erklärung der Kombination aus einer strikten Form und dem vieldeutigen, thematisch weitläufigen Inhalt.

Das Lied besteht aus drei identisch aufgebauten Strophen zu je fünf Versen und zwei Halbversen. Dabei bilden die zwei Halbverse und der letzte Vers den Refrain, der in jeder Strophe leichte Abweichungen zeigt, jedoch mit der gleichen Semantik spielt. Das Metrum des Gedichts ist ein fünfhebiger Jambus. Die Halbverse sind zweihebig. Die Kadenz der Verse ist überwiegend männlich, was eine große Auswirkung auf den Leserhythmus hat.

Mignons Lied arbeitet mit zahlreichen Wiederholungen. So beginnt jede Strophe mit der Frage „Kennst du [...]“. Auch der Refrain enthält eine Anapher: „Dahin! Dahin!“. Das Wiederholungsmotiv spielt im Kontext des Romans eine große Rolle. Wilhelm lässt sich das Lied mehrmals vortragen, und bei jeder Wiederholung verändert Mignon absichtlich die Art des Vortrags. Es scheint, als hätte das Lied in der ursprünglichen Fassung keine eindeutige Form, während die Übersetzung den Leserhythmus durch die Kadenzen und das Metrum vorgibt.

Inhaltlich scheint das Lied auf den ersten Blick die Sehnsucht Mignons nach Italien auszusprechen. So geht sie in der ersten Strophe auf die Natur des Landes ein. Durch Pflanzen wie „Citronen“ und „Gold-Orangen“ wird das mediterrane Klima angedeutet. „Sanfter Wind...

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