Mailied

Einleitung, Reimschema und Aufbau

Goethe schrieb das „Mailied“ oder auch „Maifest“ während seiner Studienzeit in Straßburg, im Jahr 1771. Neben anderen berühmten Werken des Dichters gehört es zu den „Sesenheimer Liedern“, die der Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion gewidmet wurden. Sesenheim lag ungefähr fünf Reitstunden von Straßburg entfernt, wo Goethe 1770/1771 sein Studium der Rechtswissenschaften beendete.

Goethe besuchte Friederike oft auf dem Land. In „Dichtung und Wahrheit“ schildert er viele Erinnerungen an die junge Frau in der Natur bei gemeinsamen Spaziergängen, während er selbst als ein Stadtmensch in Erscheinung tritt. So vereint der Dichter auch in diesen 1775 veröffentlichen Zeilen die Anbetung der Geliebten mit der Verehrung der Natur.

Das Gedicht besteht aus neun Strophen zu je vier Verszeilen. Das Versmaß wechselt zwischen zweihebigem Jambus in Verszeilen eins, drei und vier und einem zweihebigen Trochäus im zweiten Vers. Sowohl die Strophen als auch die Verse sind häufig durch Enjambements verbunden. Dies verleiht dem Leserhythmus Schwung und überträgt die Empathie des lyrischen Ichs auf den Rezipienten. Auch die Ausrufe „Wie“ und „O“ und die häufig auftretenden Ausrufezeichen transportieren die von der Liebe und der Natur beflügelte Stimmung des Sprechenden auf den Leser.

Das Reimschema der einzelnen Strophen ist „abcb“. Es liegt hier folglich ein Kreuzreim zwischen zwei ungereimten Verszeilen vor. Ausnahmen stellen die zweite und die dritte Strophe dar. Während sich in der zweiten Strophe nur ein unreiner Reim „Zweig“-„Gesträuch“ finden lässt, reimen sich in der dritten Strophe die Verse eins und drei „Sonne“-„Wonne“ sowie zwei und vier „Brust“-„Lust“. In der ersten und vierten Strophe werden Naturphänomene personifiziert: Die Flur lacht, und die Morgenblumen lieben den Himmelsduft. Diese Darstellungsweise entspricht dem vom lyrischen Ich umschriebenen lebendigen und aktiven Bild der Natur.

Das Gedicht lässt sich in drei Teile gliedern. In den ersten drei Strophen geht das lyrische Ich nur auf die Natur ein. Es beschreibt einen schönen Frühling und lobt die Natur. In den Strophen vier und fünf preist der Sprecher die Liebe, was in der Anrede mit „Du“ in der fünften Strophe seinen Höhepunkt nimmt. Anschließend wechselt in den Strophen sechs bis neun die Ansprechpartnerin. Das „Du“ gilt nun dem Mädchen. Diese Strophen handeln von der gegenseitigen Liebe des Paares.

Analyse und Interpretation

In der ersten Strophe bereits finden wir dreimal die Wiederholung des Wortes „Wie“. Dieses ist hier jedoch nicht als Fragewort gemeint. Es sind vielmehr drei Ausrufe der Begeisterung, was die Ausrufezeichen bestätigen. „Wie herrlich leuchtet mir die Natur!“, sagt das lyrische Ich und zeigt damit, dass es nicht den aktiven Part übernimmt. Die Natur dringt auf es ein, die Eindrücke überwältigen es, ohne eine akti...

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