Gingo Biloba

Geschichtlicher Hintergrund

Bei einer Reise ins Rhein-Main-Gebiet trifft Goethe am 4. August 1814 seinen Jungendfreund, Bankier und Geheimrat Johann Jakob Willemer, und dessen zukünftige Ehefrau Marianne Jung (1784-1860). Die gut gebildete junge österreichische Schauspielerin und Sängerin macht großen Eindruck auf Goethe. In den nächsten Monaten entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesromanze zwischen der fünfunddreißig Jahre jüngeren Frau und dem sechsundsechzigjährigen Dichter.

Nach einem Jahr im Spätsommer 1815 ist Goethe erneut zu Gast bei den Willemers in Frankfurt. Im September fahren sie gemeinsam nach Heidelberg. Goethe, der sich für Botanik interessiert, entdeckt bei seinen Spaziergängen im Schlosspark einen kuriosen orientalischen Baum mit dem Namen Gingko. Der Baum hat eigentümliche Blätter mit einer eleganten und herzförmigen Blattform. Es ist schwer zu entscheiden, ob das Blatt aus zwei Hälften, die sich in eins verschmelzen, besteht, oder ob es ein ganzes darstellt, das sich in zwei Teilen trennt.

Goethe schickt Marianne Willemer am 15. September 1815 ein Ginkgoblatt als Symbol der Freundschaft. Dieses Datum steht auch auf dem Liebesgedicht, das der Dichter „Gingo Biloba“, ohne „k“, nennt. Am 27. September 1815 verabschiedet sich der Dichter von Marianne und verspricht ihr, sie auf dem Rückweg nach Weimar zu besuchen, was er jedoch nicht tut.

Stattdessen adressiert er an sie, indirekt durch ein Familienmitglied, dieses Gedicht. Den Brief verziert Goethe mit arabischer Geheimschrift, die Marianne ebenso wie die versteckte Botschaft des Gedichts verstehen kann[1]. Unter dem handgeschriebenen Gedicht hat Goethe sorgfältig zwei gekreuzte Gingkoblätter angeheftet. Deuten die Verse schon das Ende der Liebesbeziehung an? Das Schicksal hat mit bewirkt, dass das Paar sich nie wiedergesehen hat[2].

Analyse

Das Gedicht besteht aus drei Strophen zu je 4 im Kreuzreim verfassten Versen. Folglich ist das Reimschema „ababcdcdefef“. Metrisch ist das Gedicht aus vierhebigen Trochäen gebildet, welche in Verbindung mit den alternierenden männlichen und weiblichen Kadenzen den Leserhythmus bestimmen. Des Weiteren wird durch syntaktisch bedingte Pausen am Ende der zweiten Verszeile in der zweiten und dritten ...

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