Erlkönig

Die Ballade „Erlkönig“ wurde von Goethe im Jahr 1782 für die Komödie „Die Fischerin“ verfasst.

Die Inspiration für den Text bezog der Autor aus einer tatsächlichen Begebenheit, von der er kurz vor seiner Ankunft in Jena Kenntnis erlangte. Ein reicher Landwirt brachte sein einziges, erkranktes Kind zu einem berühmten Mediziner nach Jena. Als dieser jedoch nicht helfen konnte, machte sich der Vater auf den Rückweg. Das Kind überlebte diese Reise jedoch nicht. Ein weiterer Ideengeber war Johann Gottfried Herder, der die dänische Volksballade „Erlkönigs Töchter“ ins Deutsche übertrug und dabei den Fehler machte, das dänische Wort „ellerkonge“ mit „Erlkönig“ statt „Elfenkönig“ zu übersetzen. Diesem Übersetzungsfehler folgte Goethe bei der Konzeption der Ballade.

Das Gedicht besteht aus acht Strophen zu je vier Versen. Der grundlegende Versfuß ist zwar der Jambus, doch finden sich unregelmäßig verteilt auch dreisilbige Versfüße. Ein festes Metrum ist kein wesentliches Merkmal einer Ballade, da diese Texte überwiegend auf die Singbarkeit hin verfasst werden. Das Reimschema der einzelnen Strophen ist „aabb“. Es handelt sich folglich um einen Paarreim. Ausgenommen davon sind die ersten zwei Verszeilen der fünften Strophe. Diese sind Waisen, die keinem Paarreim angehören. In der ganzen Ballade herrscht mit wenigen Ausnahmen die stumpfe, männliche Kadenz. Diese besitzt auch einen großen Einfluss auf den Leserhythmus.

Der Text handelt davon, wie ein Vater mit seinem Kind durch eine nächtliche Landschaft reitet. Während das Kind in den Erscheinungen der Natur märchenhafte Gestalten erkennt und sich angstvoll immer wieder an den Vater wendet, betrachtet dieser die Situation ganz nüchtern. Er ignoriert dabei die Angst seines Sohnes und weist ihn darauf hin, dass es sich lediglich um eine Einbildung handele. Das Kind überlebt die Reise nicht. Viele Interpretationen führen die Illusionen des Kindes auf Fieber zurück und seinen Tod dementsprechend auf eine Krankheit. Für diese Annahme gibt jedoch nur die Geschichte, von der Goethe Kenntnis besaß, eine Grundlage, nicht jedoch das Gedicht selbst.

Ob das Kind erkrankt war, hat keine Relevanz. Es ist vielmehr die Ignoranz des Vaters, die dem Gedicht eine seiner Bedeutungen gibt. Das Kind weist den Vater immer wieder darauf hin, dass es den Erlkönig hören und sehen könne, der es locke, ihm zu folgen. Der Vater führt die vom Kind beschriebenen Erscheinungen auf unbedeutende Naturereignisse zurück und geht auf die Angst des Sohnes nicht weiter ein, außer ihm zu empfehlen, weiterhin ruhig zu bleiben. Erst als das Kind behauptet „Erlkönig hat mir ein Leids getan!“ wird auch der Vater unruhig. Er beeilt sich, den H...

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