Der Zauberlehrling

Die Ballade „Der Zauberlehrling“ verfasst Goethe im Jahr 1797. Kurz darauf wird es in Schillers „Musenalmanach“ veröffentlicht. Als eine Inspiration für dieses Werk könnte dem Autor die Geschichte „Der Lügenfreund und der Ungläubige“ des griechischen Dichters Lukian von Samosata gedient haben. Denn auch in diesem Text geht es um einen Besen, der zum Knecht verzaubert wird, während der Protagonist den Spruch zur Rückverwandlung vergisst und der Meister eingreifen muss, um die Situation zu retten. Goethe hat diese Geschichte höchstwahrscheinlich gekannt, da sein Freund Martin Wieland das Werk des griechischen Dichters übersetzt und um 1788 herausgegeben hat.

Die Ballade besteht aus sieben Strophen, die in eigentliche Strophen und Refrainstrophen aufgeteilt sind. Die Refrainstrophen bestehen aus sechs Versen, von denen die ersten vier kürzer sind als die letzten beiden. Das Reimschema dieser Strophen ist „abbcac“. Es handelt sich hierbei um ein aus einem umarmenden Reim, einen Paarreim und einen Kreuzreim bestehendes komplexes Gebilde. Die tatsächlichen Strophen bestehen aus acht Versen, die im Gegensatz zu den Refrainversen zum letzten Vers hin kürzer werden. Diese Strophen enthalten vier Kreuzreime und haben folglich das Reimschema „ababcdcd“.

Das Metrum der Ballade ist durchgehend ein Trochäus, und die Kadenzen sind überwiegend weiblich. Das gleichbleibende Metrum sowie der durch die Einartigkeit der Kadenzen erzeugte monotone Rhythmus spiegelt die Gleichmäßigkeit wider, mit der der Besen sich stets zum Fluss hin und zurück bewegt. Des Weiteren bilden die unterschiedlich langen Verse ein Wellenmuster, das erneut auf die Wasserthematik verweist. Das komplizierte Reimschema der Refrainverse unterstreicht ihre magische Bedeutung, handelt es sich hierbei doch um die Zaubersprüche.

Die ersten beiden Refrains sind identisch und stellen den Zauberspruch dar, den der Zauberlehrling ausspricht, um den Besen zu seinem Knecht zu machen. Die folgenden vier Refrains sind eine Mischung aus der Reaktion des Zauberlehrlings auf das Geschehen, welches sich jedoch auch in den anderen Strophen findet, und seinem Versuch, den Besen durch Bitten und Flehen doch noch aufzuhalten. Der abschließende Refrain ist der Zauberspruch des Meisters, der alles wieder in Ordnung bringt.

Goethe greift in der Ballade „Der Zauberlehrling“ häufig auf Wortwiederholungen zurück: „Walle! Walle!“, „Stehe! Stehe!“, „Wehe! Wehe“, „Welche Mine! welche Blicke!“, „Will dich fassen, will dich halten“, „Naß und nässer“ usw. Dieses Stilmittel verstärkt die Eindringlichkeit des Gedichts. Die gleiche Wirkung erzielen die zahlreichen Alliterationen: „Willen“, „Wort“ und „Werke“; „Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte!“ oder „Stock, der du gewesen, steh doch endlich still!“ usw. Die Geschichte wird aus der Perspektie des Zauberlehrlings geschildert, der als das lyrische Ich auftritt.

Inhaltlich handelt das Gedicht von einem Zauberlehrling, der beschließt, die Abwesenheit seines Meisters zu nutzen und seine eigenen Magiekenntnisse dazu einzusetzen, sich die Arbeit zu erleichtern. So verwandelt er, leichtsinnig und überheblich, einen Besen in seinen Knecht, der Wasser herbeischaffen soll. Da er jedoch den Spruch vergisst, ...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 4,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen