Der König in Thule

Die Ballade „Es war ein König in Thule“ hat Goethe im Jahr 1774 geschrieben. Das Gedicht findet bereits zu Lebzeiten des Autors einen großen Zuspruch. Die erste Veröffentlichung erfährt es durch die Vertonung des Komponisten Siegmund Freiherr von Seckendorf, der wie Goethe seit 1775 am Weimarer Hof tätig ist. Dieser weist dem Gedicht im Jahr 1782 in seiner dritten Sammlung „Volks- und andere Lieder“ die Herkunft „aus Goethes D. Faust“ zu.

Die von dem Komponisten verwendete Fassung weicht jedoch von dem später publizierten Fragmentdruck des „Faust“ im Jahr 1790 ab. In dem Drama erfüllt das Gedicht eine doppelte Funktion. Zum einen ist es der Bestandteil einer Szene, in der das ängstliche Gretchen sich entkleidet und singt. Zum anderen erfüllt es eine symbolische Funktion. Das unsittliche Verhalten Fausts wird durch den dazu kontrastierenden Inhalt des Liedes unterstrichen, denn die Hauptthematik des Liedes ist die Treue eines Königs zu seiner verschiedenen großen Liebe, an der er bis zu seinem Tod und darüber hinaus festhält.

Die Form des Gedichts entspricht dem zur Zeit des „Sturm und Drang“ von Herder propagierten Volksliedton. Die Idee hinter diesem Schreibstil ist die Popularisierung der Hochkultur. Die hohe Kunst und die anspruchsvollen Themen sollten dem Volk in einem gewohnten und leichtverständlichen Stil nahegebracht werden.

Die Ballade besteht aus sechs Strophen mit jeweils vier Versen. Sie wird rhytmisch in einem nicht ganz regelmäßigen dreihebigen Jambus dargebracht. Die Verszeilen eins und vier sind hyperkatalektisch und stellen somit eine Abweichung von dem regelmäßigen Klang dar, der zum einen durch das Metrum, zum anderen jedoch durch die alterierende Kadenz erzeugt wird. Die Zeilen eins und drei in jeder Strophe weisen eine weibliche Kadenz auf, die Verse zwei und vier dagegen eine männliche. Dem entsprechend verbinden sich die...

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