Dem aufgehenden Vollmonde

Geschichtlicher Hintergrund

Am 7. Juli 1828, nach dem Tod des Großherzogs Carl August, Johann Wolfgang von Goethes Freund und Dienstherrn, zieht sich der Dichter in das Renaissanceschloss der Dornburger Schlösser an der Saale zurück, wo er sich mit der Naturwissenschaft beschäftigt. Dort entsteht am 25. August 1828 das Gedicht „Dem aufgehenden Vollmonde“.

Einen Tag nach der Entstehung des Gedichts schickt Goethe eine Abschrift an seinen Freund Carl Friedrich Zelter (1758-1832) mit der Bitte, die Zeilen zu vertonen. Einige Monate später, am 23. Oktober 1828, geht eine weitere Abschrift von „Dem aufgehenden Vollmonde“ an Marianne Willemer (1784-1860). Dabei verändert der Dichter den 11. Vers zu „Schlägt mein Herz auch schneller, schneller“.

Marianne Willemer (geb. Jung) ist die Ehefrau eines Jugendfreundes Johann Wolfgang von Goethes, des Bankiers und Geheimrats Johann Jakob Willemer. Der Dichter begegnet dem Paar am 4. August 1814. Die gut gebildete junge österreichische Schauspielerin und Sängerin macht großen Eindruck auf Goethe. In den nächsten Monaten entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesromanze zwischen der fünfunddreißig Jahre jüngeren Frau und dem sechsundsechzigjährigen Dichter. Nach einem Jahr, im Spätsommer 1815, ist Goethe erneut bei den Willemers in Frankfurt zu Gast. Im September fahren sie gemeinsam nach Heidelberg.

Am 27. September 1815 verabschiedet sich der Dichter von Marianne und verspricht ihr, sie auf dem Rückweg nach Weimar zu besuchen, was er jedoch vermeidet. Das Paar sieht sich nicht wieder. Es bleibt ihnen jedoch der briefliche Kontakt und das einmalig gegebene Versprechen, beim Vollmond einander zu gedenken. Dieses geben sich Marianne und der Dichter bei dem letzten gemeinsam verbrachten Abend mit Johann Jacob Willemer und Sulpiz Boisserée auf der Gerbermühle bei Frankfurt. An diesem Abend war ebenfalls Vollmond.

Die Idee zu dem Versprechen stammt aus dem Gedicht „Vollmondnacht“ aus dem Buch Suleika, dessen letzten Strophen lauten: „Euch im Vollmond zu begrüßen/Habt ihr heilig angelobet,/Dieses ist der Augenblick.“ Goethe beschäftigt sich mit diesem Werk während seiner Arbeit an dem Gedichtzyklus „Westöstlicher Divan“. Während seiner Beschäftigung mit dem persischen Dic...

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