Das Göttliche

Die Ode „Das Göttliche“ schreibt Goethe im Jahr 1783 in Weimar. Der Text stellt ein aussagekräftiges Beispiel für klassische Lyrik dar. Im erhabenen Stil richtet er sich an die Leserschaft und unterbreitet ihr den Leitsatz der klassischen Literatur: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“.

Die Ode besteht aus 10 Strophen zu 5-7 Verszeilen. Die differierende Anzahl der Verse innerhalb der einzelnen Strophen unterliegt dabei keiner Regelmäßigkeit. Der stilistische Aufbau des Gedichts ist sehr schlicht und prägnant. Es enthält keine Reime und kein Metrum. Die Zeilen sind sachliche Aussagen ohne jegliche Gefühlsdarstellung. Der Leserhythmus ist ruhig und langsam.

Inhaltlich fordert die Ode den Menschen auf, „edel und gut“ zu sein. Sie stellt ihn den Tieren, der Natur und den Göttern gegenüber und hebt auf diese Weise seine Fähigkeiten heraus.

In der ersten Strophe wird der Mensch mit allen weltlichen Wesen verglichen. Die Veranlagung des Menschen für humanitäre Ideale wie Toleranz, Moral und Hilfsbereitschaft unterscheide diesen von der Tierwelt. So fordern die ersten beiden Verse den Menschen auf, diese Anlagen zu nutzen. Der Sprecher verwendet hier das Personalpronomen „wir“. Er stellt sich dadurch auf eine Ebene mit dem Leser, sodass er trotz der belehrenden Worte nicht überlegen oder überheblich wirkt.

In der zweiten Strophe werden die Götter geehrt: „Heil den unbekannten höheren Wesen.“ Es ist hier von mehreren Göttern die Rede, weil der Autor sich zu diesem Zeitpunkt mit der antiken Tradition auseinandersetzt, die mehrere Gottheiten verehrt. Allein schon die Form des Textes ist ein Verweis darauf, da er mit der Ode auf eine antike Dichtform zurückgreift. Eine weitere Interpretationsmöglichkeit ist das Verstehen dieser Passage als einen Hinweis auf die unterschiedlichen Weltreligionen. Der Sprecher stellt fest, dass der Mensch den Göttern gleiche, folglich nach ihrem Ebenbild geschaffen worden sei. Er diene als „Beispiel“, das dazu animieren soll, an die „höhern Wesen“ zu glauben.

In den folgenden zwei Strophen wird dem Menschen die Natur entgegengesetzt. Die Natur unterscheide nicht zwischen Gut und Böse. Der Mond, die Sterne und die Sonne würden sowohl für den „Besten“ wie auch für den „Verbrecher“ leuchten. Die Antithesen „Bös und Gute“ oder „Verbrecher“ und „Besten“ betonen die fehlende Urteilsfähigkeit der Natur. Des Weiteren präzisiert...

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