Walpurgisnacht

Introduktion

Bei der 'Reise' von Faust und Mephistopheles  auf den Blocksberg  handelt es sich um eine lange Szene, die insgesamt 1500 Verse umfasst. Hier entwirft Goethe ein lebendiges, rauschendes Bild der Walpurgisnacht mit zahlreichen Gestalten und Details. Die Ausgestaltung der Szene weist deutliche Parallelen zu einem Kupferstich von Michael Herr aus dem Jahre 1620 auf, auf dem sich die Reisestationen von Faust und Mephistopheles wiedererkennen lassen.

In ihrer Funktion hat die Szene eine entscheidende Bedeutung. Sie folgt innerhalb der Gretchentragödie auf die Szene „Dom“, die Margaretes Verzweiflung und ihrem Schicksal gewidmet ist: Ihr bevorstehender gesellschaftlicher und moralischer Fall wird ihr durch Geisterstimmen angedeutet, die sie verfolgen. Die nun folgende Walpurgisnachtzene ist kontrastierend dazu konzipiert. Sie stellt außerdem eine Zäsur in der abfallenden dramatischen Handlung dar: Während Faust sich dem sinnlich - orgiastischen Treiben der Walpurgisnacht hingibt, entscheidet sich Margaretes Schicksal durch die folgenden Ereignisse endgültig: Die Geburt und Tötung ihres unehelichen Kindes und ihre Verurteilung zum Tode. Dieses äußere Geschehen wird in der Tragödie nicht dargestellt, sondern in der Szene selbst nur angedeutet. Am Ende der Walpurgisnacht hat Faust die Vision von Margaretes Hinrichtung.

In der Walpurgisnacht lässt sich Faust von Mephistopheles dazu verführen, seine aufkommenden Schuldgefühle gegenüber Margarete durch ein ausgiebiges Fest der Sinne zu ersticken. Dadurch versucht Mephistopheles, Faust vollkommen auf seine Seite zu ziehen und ihn Margarete endgültig vergessen zu lassen. Die Szene lässt sich in fünf Abschnitte gliedern.

Wanderung durch die fantastische Natur

Der erste Abschnitt umfasst die Wanderung von Faust und Mephistopheles über den Brocken, bei der ihnen ein Irrlicht zur Hilfe kommt, um „in die Traum -und Zaubersphäre“ (Z,3871, S.119) zu gelangen.  Dass sie ausgerechnet ein Irrlicht auf den richtigen Weg geleiten soll, ist bezeichnend für die gesamte Szene: Das Motiv des Irrens steht für Fausts Suche nach dem richtigen Weg und deutet mit dieser Szene an, dass er sich auf dem falschen, dem Irrweg befindet, wenn er Mephistopheles in seine Welt folgt.

Diese fantastisch-verkehrte Welt zeigt sich in einer wilden chaotischen Natur: “Im Labyrinth der Täler hinzuschleichen,/ Dann diesen Felsen zu ersteigen,/ Von dem der Quell sich ewig sprudelnd stürzt,/ (…)/ der Frühling webt schon in den Birken,/ (…) Sollt' er nicht auf unsre Glieder wirken?“ (Z.3841-3847,S.118).  Deutlich wird, dass Faust eine andere Wahrnehmung der Natur als Mephistopheles hat. Faust sieht Frühling, Leben und Wärme in der Natur, während es Mephistopheles „winterlich im Leibe“ (Z.3849, S.118) ist und sie seiner Meinung nach für Kälte und Tod steht.

Zusammen mit dem Irrlicht werden im Wechselgesang das „verwirrende Geleite“ (3905), die fant...

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