Wette

In der Faust–Tragödie bilden zwei Wetten den Motor für die gesamte Handlung.

Die Wette zwischen dem Herrn und Mephistopheles

Die Wette zwischen dem Herrn und Mephistopheles im „Prolog im Himmel“ bildet den Ausgangspunkt, aufgrund dessen sich die eigentliche Handlung erst entwickelt. Diese erste Wette ist in eine Diskussion zwischen dem Herrn und Mephistopheles eingebettet, in der es um zwei verschiedene Auffassungen hinsichtlich eines bestimmten Welt -und Menschenbildes geht. In diesem Gespräch kommt der Herr auf Faust zu sprechen, der ihm als Beispiel dient, seine Vorstellung vom Menschen zu konkretisieren. Faust ist ein besonderer Repräsentant des Menschen, da bei ihm in besonderer Weise zwei Seiten  des Menschen sichtbar werden: Das Streben nach dem Übermenschlichen, dem Göttlich-Hohen und das Gebundensein an das Menschlich-Irdische, dem Drang nach sinnlicher Erfahrung.

Der Herr erkennt die Irrungen und Verfehlungen der Menschen als unumgänglichen und notwendigen Wesenszug an. Gerade die Fehler des Menschen  befähigen ihn gleichzeitig dazu, immer weiter nach dem Guten zu streben und sich nicht müßig zur Ruhe zu setzen: “Es irrt der Mensch, solang' er strebt. (Z.317,S.12). Der Herr ist davon überzeugt, dass der Mensch das Gute in sich trägt und Fehler begehen muss, um am Ende geläutert und 'reicher' zu werden. Für ihn wird der Mensch durch seinen Verstand geleitet, der ihn letztlich auch durch die Irrungen führt: “Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange/ Ist sich des rechten Weges wohl bewußt“ (Z.328-329, S. 12). Beide Seiten des Menschen haben ihren Sinn und Zweck. In der Metapher des Gärtners macht der Herr dies deutlich: „Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt,/ Daß Blüt' und Frucht die künftgen Jahre zieren“ (Z.310-311, S.12).

Diese Zuversicht auf das Gute hin kann Mephistopheles nicht teilen, im Gegenteil: Für ihn ist der Mensch „tierischer als jedes Tier“ (Z.286, S.11). Der Mensch hat sich für ihn nicht weiterentwickelt. Seine Vernunft ist nur trügerischer Schein, mit dem sich der Mensch brüstet und hinter dem er seine Triebhaftigkeit versteckt. Lächerlich „Wie eine der langbeinigen Zikaden“ (Z.288, S.11) versucht der Mensch, etwas zu erreichen, was er nicht erreichen kann.

Aufgrund dieser gegensätzlichen Positionen gestaltet sich die Wette, die Mephistopheles  dem Herrn anbietet. Falls es ihm gelingt, Faust auf seine „Straße sacht zu führen“ (Z.314, S.12), ist es Mephistopheles erlaubt, ihn auf seinem Weg mit herabzuführen. Dafür muss es Mephistopheles aber gelingen ,Faust gänzlich zu „erfassen“(Z.325, S.12). Der Herr willigt in die Wette ein, da er weiß, dass Mephistopheles dies niemals gelingen wird, da dieser nur die eine triebhafte Seite des Menschen kennt. Damit ist Mephistopheles im Grunde von vorneherein der Verlierer der Wette, da der Herr auf das bis zum Tode anhaltende Streben des Menschen nach dem Guten vertraut. Darum kann er Mephistopheles auch entgegnen: „Solang' er auf Erden lebt,/ Solange sei dir's nicht verboten“ (316-317, S.12).

Für den Herrn ist Mephistopheles nicht so sehr ein ernst zu nehmender Wettpar...

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