Die Gretchentragödie

Stationendrama und indirekte Darstellung

Ihren Anfang findet die Gretchenhandlung mit der Szene „Straße“, in der sich Faust und Margarete zum ersten Mal begegnen. Sie ist an den Aufbau des klassischen Dramas mit erregendem Moment, Aufstieg, Peripetie, Abstieg und Katastrophe angelehnt. Dabei sind die einzelnen Momente nicht immer eindeutig und starr festgelegt. So kann bereits die Szene „Walpurgisnacht“, in der Faust von dem Bild der schönen Frau auf Margarete „vorbereitet“ wird, bereits als Exposition oder erregendes Moment gelten.

In der Gretchenhandlung werden einzelne Stationen herausgestellt, die den Handlungsverlauf skizzieren. Dargestellt werden die Entwicklung der Liebe zwischen Faust und Margarete und die Szenen, in denen Margarete über das Erlebte nachdenkt und reflektiert. Andere wichtige Ereignisse werden indirekt in Rück -und Vorblenden und Andeutungen eingebaut, so etwa  Margaretes biografischer Hintergrund, den der Leser in ihrem ersten Dialog mit Faust erfährt. Margaretes Hinrichtung wird dagegen in einer Vorausschau – der Vision Fausts in der Walpurgisnacht, angedeutet. Auch der Tod der Mutter sowie die Geburt und Tötung ihres Kindes und die Liebesnacht werden nicht explizit dargestellt.

Margaretes eigenes Schicksal wird oft durch andere Personen zur Sprache gebracht oder gespiegelt. So prophezeit ihr der Bruder Valentin den gesellschaftlichen Verstoß und auch ihre Kindstötung. In der Szene „Am Brunnen“ ist  im Schicksal der Freundin Bärbelchen Margaretes eigenes vorausgedeutet. Damit wird auf effektvolle Szenen verzichtet, sodass der Blick auf das Innenleben Margaretes gelenkt  wird, das den Gang der Handlung bestimmt.

Struktur

In ihrer Gesamtstruktur lässt sich die Gretchentragödie in drei Teile gliedern:

1. Teil

1. Exposition und steigende Handlung - Verführung Margaretes

Von der ersten Begegnung in der Szene „Straße“ bis hin zu der angedeuteten ersten gemeinsamen Nacht in der Szene „Ein Gartenhäuschen“ erfolgt Gretchens Verführung. Dabei steigt die Handlung fortlaufend. Hier gibt es wichtige Stationen, die die zunehmende Verführung Margaretes durch Faust  darstellen. Sie beginnt bei dem ersten Treffen Fausts und Margaretes in der Szene „Straße“ und setzt sich fort in der darauffolgenden Verkupplungsintrige von Mephistopheles und Marthe, bis hin zum ersten gemeinsamen Kuss im Gartenhäuschen.

Der Garten als Szenenort hat eine bestimmte symbolische, aus dem Christentum stammende Bedeutung: Er steht für das Paradies und den Sündenfall. In den aufeinanderfolgenden Szenen „Garten“ und „Ein Gartenhäuschen“ kommt es zu einem ersten Gespräch zwischen Faust und Margarete und schließlich zum ersten Kuss. So ist Margaretes tragisches Schicksal aufgrund ihrer  leidenschaftlichen Liebe zu Faust mit diesen Szenen bereits angedeutet. Deutlich wird aber auch, dass sie nicht nur ein verführt...

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