Faust und Gretchen

Johann Wolfgang Goethes Drama „Faust. Der Tragödie erster Teil“ (1808) kann grob in zwei Teile untergliedert werden: Die Gelehrtentragödie und die Gretchentragödie. In beiden Teilen spielt der Gelehrte Doktor Faust die entscheidende Rolle, doch bekommt im zweiten Teil auch die junge Margarete als Nebenprotagonistin eine große Bedeutung im Rahmen des Stückes. Die beiden Figuren zeichnen sich von Beginn an durch zahlreiche Kontraste aus, haben aber dennoch eine gemeinsame Geschichte, die hier zunächst zusammengefasst wird.

Die Geschichte von Gretchen und Faust

Wette und Verjüngungskur

Der verzweifelte Gelehrte Dr. Faust findet keine Ruh. Rastlos strebt er nach der Erkenntnis, „was die Welt / Im Innersten zusammenhält“ (V. 382f.). Aus diesem Grund schließt er eine Wette mit dem Teufel ab, der ihm verspricht, ihm das Leben zu zeigen und ihm irdische Genüsse und Freuden zu verschaffen.

Einer der ersten Schritte Mephistos ist dabei die Verjüngung Fausts durch den Trank einer Hexe, welcher auch die Lebensgeister des Gelehrten wieder weckt und damit seine Begierde nach einer Frau. Am Ende der Szene „Hexenküche“ kündigt Mephisto an: „Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, / Bald Helenen in jedem Weibe“ (V. 2603f.). Der Verweis auf die schöne Helena von Troja bringt zum Ausdruck, dass Fausts Sinne durch den Trank getrübt werden sollen, sodass ihm bald jede Frau besonders attraktiv vorkommen wird.

Die versprochene Wirkung lässt auch nicht lange auf sich warten, auf der Straße begegnet Faust Gretchen und entbrennt in Begierde nach ihr. Er befiehlt Mephisto, ihm die Frau zu „schaffen“ (V. 2619). Dieser äußert jedoch Bedenken: „Es ist ein gar unschuldig Ding, / Das eben für nichts zur Beichte ging; / Über die hab ich keine Gewalt!“ (V. 2624-2626). Er sagt, er bräuchte zwei Wochen, um die Frau für Faust zu gewinnen, verspricht dem Verliebten jedoch, ihn in Gretchens Zimmer zu führen, während diese bei der Nachbarin ist. Das Versprechen führt er aus, dabei lassen die beiden ein Schmuckkästchen als Geschenk zurück.

Die gläubige junge Frau merkt bei ihrer Rückkehr unbewusst, dass der Teufel zuvor in ihrem Zimmer war. Sie fühlt sich unbehaglich, freut sich jedoch sehr über den schönen Schmuck. Anders geht es dabei ihrer Mutter, die den Schmuck der Kirche spendet, da auch sie als Gläubige den teuflischen Ursprung spürt. Das ärgert Mephisto. Faust bittet ihn, neuen Schmuck zu besorgen, und schmiedet einen Plan, um Gretchen näherzukommen: „Häng dic...

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