Interpretation

Das Werk berührt psychologische, sozialkritische und gattungsgeschichtliche Elemente. Die Darstellung der Natur spielt beispielsweise eine ganz besondere Rolle, da sie das Seelenleben Werthers reflektiert. In ihr glaubt Werther auch Gott zu erleben zu können. Die Auseinandersetzungen mit seinen Mitmenschen und seine Unangepasstheit spiegeln einen großen Freiheitswillen wider, der in der damaligen Gesellschaft kaum zu realisieren war. In seinen Konflikten wird daher eine Gesellschaft erkennbar, die Individualität und Emotionen keinen Platz lässt. Werthers Ablehnung dieser Umstände gipfelt nach einigen Konflikten in seinem Selbstmord: Er lehnt es radikal ab, dass ihn die Gesellschaft in seinem Wesen beeinflussen und zerstören darf. Bevor dies geschehen kann, entzieht er sich dieser Bürde durch seinen Freitod. Er erkennt, dass er und die Menschen um ihn herum es nicht schaffen, sich innerhalb dieser Umstände zu ändern.