Film-Buch-Vergleich

„Die Leiden des jungen Werther“ gelten als eine große Herausforderung für jeden Regisseur. Nicht nur die spezielle Erzählhaltung, sondern auch die sehr emotionale und intensive Sprache der Briefe macht die Transformation in einen Film  sehr schwierig. Viele Regisseure haben sich dieses Themas angenommen, manche auch mit einem Augenzwinkern.

Der Film „Werther“ von Uwe Janson (2008) transformiert beispielsweise den Stoff in unsere heutige Zeit und legt originale Zitate des Textes in ganz anderen Situationen den Figuren in den Mund. Als Werther beispielsweise in einem Baumarkt den Verkäufer mit einer Waffe bedroht, zitiert er aus dem Gespräch mit Albert, in dem es sich um die Legitimation des Mordes aus Affekt dreht. Da der Film auch die gesamte Rahmenhandlung verändert, soll er an dieser Stelle nur als eines von vielen Beispielen einer filmischen Werther-Adaption genannt werden.

Möglichst nah am Original bewegt sich der Film „Die Leiden des jungen Werthers“, der sogar im Titel noch den Genitiv enthält, den Goethe nach seiner Bearbeitung des Werkes 1787 fallen ließ. Er wurde 1976 vom Regisseur Egon Günther für die DEFA gedreht, die das staatliche Filmunternehmen der DDR war. Hans-Jürgen Wolf, der unter anderem als Synchronsprecher seine Stimme Megatron in „Transformers“ und Agent Smith in der Matrix-Triologie lieh, spielt in diesem Film den jungen Werther. Auch Katharina Thalbach, die in diesem Film die Rolle von Lotte spielt, ist heute noch eine sehr bekannte Schauspielerin, die in mehreren literarischen Verfilmungen und unter anderem auch in „Kokowääh“ und den „Hanni & Nanni“-Filmen mitspielte.

Da das Buch medias in res einsteigt, muss der Film zuerst eine gewisse Rahmenhandlung aufbauen, um dem Zuschauer einen Einstieg zu ermöglichen. Die Handlung beginnt daher mit einer Szene, die nicht im Buch enthalten ist. Sie spielt in einem wohlhabenden Haus, in dem eine Gesellschaft sich über Literatur unterhält. Der Film beginnt direkt mit dem Zitat: „Warum haben wir Deutschen eigentlich keine Nationalliteratur?“ Der Sprecher weist dabei auf die französische, die englische und die italienische Nationalliteratur hin und die anderen Gäste stimmen ihm zu. Der Sprecher wird sich später als der Herausgeber des Buches herausstellen. Als die Gäste in den Garten gehen, betritt ein junger Mann die Szene, der sich als Wilhelm entpuppt. Er wird bereits von den Bewohnern des Hauses erwartet und bringt Werthers letzte Briefe und Aufzeichnungen, die er dem Hausherrn übergibt. Wilhelm berichtet, dass er Werther hatte abholen wollen und nur noch von seinem Tod erfuhr, als er ankam. Er bittet den Mann, dem er die Aufzeichnungen übergibt, die Leute weinen zu lassen und Werther nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Der Hausherr ist also der Herausgeber, der sich am Anfang des Buches an den Leser wendet und am Ende der Geschichte zum Erzähler wird. „Warum hat er sich erschossen? War es nur aus unglücklicher Liebe oder war es das Ganze?“, fragt Wilhelm vielsagend. Er berichtet auch, dass sie vor ihrer Trennung voneinander zusammen gereist sind und sich in der Schweiz getrennt haben. Mit den Worten „Und dann kamen seine Briefe“ beginnt die eigentliche Handlung, die als große Rückblende erzählt wird.

Die Geschichte beginnt ab dem Punkt, als Werther sich von einem Führer ...

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