Charakterisierung Werther

Werther wird als junger Mann von circa 20 Jahren beschrieben. Er hat sich zu Beginn der Erzählung in eine Stadt in der Nähe von Wahlheim begeben, um Erbschaftsstreitigkeiten zwischen seiner Mutter und seiner Tante zu regeln. Da sein Vater bereits verstorben ist, fällt ihm diese Aufgabe zu. Sein erster Brief lässt allerdings darauf schließen, dass er auch wegen einer Liebschaft mit der Schwester einer nicht näher beschriebenen Leonore (S. 5) seine Heimatstadt verlassen hat. Er lässt sich in der Umgebung der Stadt in einem verfallenen Kabinett nieder, das in einem wunderschönen Garten liegt (S. 6–7).

Werther ist mehr oder weniger vermögend, aber nicht adlig. Damit ist er dem gehobenen Bürgertum seiner Zeit zuzuordnen. Dies belegt die Tatsache, dass er im späteren Verlauf einen Diener hat und nicht zwangsläufig einer geregelten Arbeit nachgehen muss. Der Konflikt beim Grafen von C.. zeigt aber, dass er nicht dem Adel angehört (Brief vom 15. März 1772, S. 81 ff.). Das Geld bezieht er von seiner Mutter, solange ihm sonst niemand zur Seite steht (S. 86). Das Verhältnis zu seiner Mutter scheint nicht besonders gut zu sein, da er Wilhelm als Vermittler zwischen sich und ihr einsetzt (z. B. S. 6 und besonders S. 86–87).

In seinen Briefen berichtet er seinem Freund Wilhelm, was er erlebt und welche Gefühle ihn dabei bewegen. Dabei stehen vor allem sehr persönliche und intime Gedanken und Wahrnehmungen im Vordergrund der Berichte. Je intensiver seine Erlebnisse auf ihn einwirken, desto mehr Briefe schreibt er an seinen Freund.

Werther ist ein begabter Zeichner und kann aufgrund seiner Bildung Griechisch und Englisch lesen und übersetzen (S. 9, S. 133). Darüber hinaus verfügt er über ein musikalisches Gehör und einiges an Geschick, da er ein Klavier stimmen kann (S. 59). Auch wenn ihm persönlich seine Arbeit beim Gesandten in der Stadt D.. nicht gefällt, so wird seine Arbeit doch sehr gelobt und auch ausgezeichnet (S. 87). Es ist zudem kein Zufall, dass Werther in der erzählten Zeit den Odysseus von Homer liest. Wie der griechische Held findet Werther über einen langen Zeitraum keine Ruhe und keine Sicherheit. Im Gegensatz zur Suche des Odysseus findet die Suche Werthers kein gutes Ende. Dennoch findet Werther in der naiven Betrachtung der Welt in der Odyssee einen Trost, den er ab einem gewissen Zeitpunkt in der Realität nicht mehr finden kann (S. 89). Dass dieses Werk später durch den Ossian ersetzt wird, zeigt, dass sein Geisteszustand immer schlechter wird, denn das eine Werk steht für eine Suche nach dem Glück, das andere für einen...

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