Waldeinsamkeit

Einleitung, Aufbau und Metrik

Das Lied „Waldeinsamkeit“ ist ein Fragment aus dem frühromantischen Kunstmärchen "Der blonde Eckbert" (1797) von Johann Ludwig Tieck. Das Märchen handelt von einer jungen Frau namens Bertha, die als unglückliches Kind von zu Hause fortläuft und bei einer alten Frau Unterschlupf findet. Die Frau besitzt einen Zaubervogel, der Eier legt, welche Perlen und Edelsteine enthalten. Sie lebt im tiefen Wald, weit von jeglicher Zivilisation entfernt.

Nach sechs Jahren bei der Frau stielt Bertha eines Tages den Vogel und einige Zaubersteine und flüchtet, um die Welt zu sehen. Nach ihrer Flucht in eine andere Stadt und nachdem sie sich dort ein Haus gemietet hat, erwürgt Bertha den Vogel, der sie mit seinem Lied über die Waldeinsamkeit in Angst und Schrecken versetzt. In der Stadt lernt sie einen Ritter kennen, den blonden Eckbert, und vermählt sich mit ihm.

Nach einiger Zeit bestraft die alte Frau, die magische Fähigkeiten besitzt, ihren früheren Schützling Bertha. In Gestalt eines Familienfreundes versetzt sie diese in einen nervlichen Schockzustand, welcher zum Tod der jungen Frau führt. Der blonde Eckbert macht den Freund für den Tod seiner Frau verantwortlich und bringt ihn um. Durch sein schlechtes Gewissen getrieben, reist er, bis er vor dem Haus der alten Zauberin ankommt, die ihn über den tatsächlichen Sachverhalt aufklärt. Dort verstirbt er, während er im Hintergrund den Gesang der dritten Strophe des Liedes „Waldeinsamkeit“ durch den vermeintlich toten Vogel zu hören glaubt.

Das Lied ist in drei Strophen aufgeteilt. Im Märchen sind diese nicht hintereinander aufgelistet, sondern im Text verteilt. Die Strophen haben 6 Verse. Das Metrum ist unregelmäßig. In der ersten Strophe weisen die Verse 2, 4, 5 einen zweihebigen Jambus auf, die Verse 1, 3, 6 haben dagegen jambische und daktylische Strukturen.

In der zweiten Strophe weisen die Strophen 2, 3, 5 einen zweihebigen Jambus auf, der ersten und der letzte Vers enthalten jambische und daktylische Strukturen, der vierte Vers ist ein hyperkatalektischer Daktylus.

In der dritten Strophe weisen schließlich die Verse 2 und 4 einen zweihebigen Jambus auf, die erste und die letzte Verszeile enthalten jambische und daktylische Strukturen, die Verse 3 und 5 sind durch Jambus und Anapäst geprägt.

Die Kadenzen sind ausschließlich in der ersten und letzten Verszeile jeder Strophe weiblich. Das Reimschema des Liedes ist abbaba aababa abaaba. Es enthält folglich einen umarmenden Reim, einen Kreuzreim und zwei Paarreime. Die Reime sind reich, nur der Paarreim a in der dritten Strophe ist in Bezug zu den weiteren a-Reimen rührend.

Beim ersten Betrachten des Gedichts fällt auf, dass der Titel „Waldeinsamkeit“ als Anfangs- und Schlusswort der drei Strophen verwendet wird. Bemerkenswert ist auch, dass die Waldeinsamkeit das Lyri...

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