Sehnsucht

Einleitung, Struktur und Metrik

Das Gedicht „Sehnsucht“ wurde im Jahr 1797 geschrieben. Der Dichter Johann Ludwig Tieck lebt zu diesem Zeitpunkt bereits in Berlin zusammen mit seinem Bruder Friedrich und seiner Schwester Sophie. Vor vier Jahren hat er die Universität Göttingen mit der festen Entschlossenheit verlassen, sein Leben als Schriftsteller zu verbringen. Er arbeitet für den Hauptvertreter der Aufklärung, Friedrich Nicolai, an  einem Sammelwerk mit Erzählungen und verfasst eigene Schriften und Gedichte.

Das Gedicht spricht von der Sehnsucht nach einem fernen Land. Eine ähnliche Motivik vertritt ein weiteres, im Herbst des vorherigen Jahres verfasstes Gedicht "Sehnsucht nach Italien", welches in den "Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders" veröffentlicht wird. Italien gilt in diesem Zusammenhang als das Land der Künste und stellt für viele junge Männer das Ziel ihrer Bildungsreise dar.

Das Gedicht besteht aus drei Strophen. Die ersten beiden Strophen weisen vierzehn Verse, die letzte lediglich sieben Verse auf. Das Metrum der ersten und der dritten Strophe ist ein zweihebiger Trochäus mit weiblichen Kadenzen, mit Ausnahme des 12. Verses, welcher jambisch ist. Die zweite Strophe hat keinen festen Rhythmus. Die Kadenzen sind überwiegend weiblich, lediglich die Endungen der ersten beiden Verse weisen eine männliche Kadenz auf.

Das Reimschema des Gedichts ist abbacbcdeddeff gghihijjkklmlm abbacbc. Das Gedicht ist folglich durch unterschiedliche Reimstrukturen gekennzeichnet: Paarreime, Kreuzreime, umarmende Reime. Diese bestehen dabei aus reichen Reimen, nur der Reim g stellt einen unreinen Reim dar.

Analyse

Erste Strophe

Die erste Strophe des Gedichts wird mit zwei Fragen eröffnet. Diese sind gleich aufgebaut und stellen somit einen Parallelismus dar. Die Anfänge mit dem Interrogativpronomen "Warum" bilden außerdem eine Anapher. In der ersten Frage findet sich auch eine Assonanz "Warum Schmachten". Die Fragen sind rhetorisch zu verstehen, das Lyrische Ich stellt sie an sich selbst und beantwortet diese dann in den nachfolgenden Verszeilen.

Auch die beiden nachfolgenden Verse sind mit einer Anapher verbunden, die aus "Alle" und dem Ausruf "Ach" gebildet wird. In der vierten Zeile findet sich außerdem eine Assonanz "Ach! sie trachten".

Bis zur fünften Strophe kennt der Leser noch nicht den Grund für das Leid des Sprechers, das Objekt seiner Sehnsucht und seines Schmachtens, das ihn zum Weinen bringt. Die Tränen erscheinen hier durch das Verb "trachten" personifiziert. Ihre Grundlage wird in den folgenden drei Zeilen erläutert. Sie sehnen sich nach der "Ferne", in der  sie "Schönre Sterne", welche durch eine Alliteration betont werden, vermuten. Auch das Verb "wähnen" dient der Personifizierung der Tränen. Die fünfte und die sechste Verszeile bilden eine Anapher "Weit" – "Wo".

Das Leid des Sprechers, welches durch die Begriffe "Schmachten", "Sehnen" und "Thränen" verdeutlicht wird, resultiert aus dem Wunsch, in die Ferne zu reisen, in der das Lyrische Ich ein besseres Leben vermutet, welches durch die Metapher der schöneren Sterne ausgedrückt wird. Hier ist die Sinneinheit zu Ende, die mit einem Punkt abgeschlossen wird. Die Enjambements zwischen den Versen 3, 4 und 5 sowie 6 und 7 unterstützen das Gefühl des geschlossenen Gebildes.

Die achte Verszeile der ersten Strophe wird mit der Alliteration "Leise Lüfte" eröffnet. Dieser Vers ist mit dem nachfolgenden durch ein Enjambement verknüpft. Es folgt eine Naturdarstellung. Der leise, sanfte...

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