Mondscheinlied

Einleitung, Struktur und Metrik

Das "Mondscheinlied" von Johann Ludwig Tieck wurde im Jahr 1798 geschrieben. Der Dichter, der zu diesem Zeitpunkt in Berlin lebt, vermählt sich in diesem Jahr mit Amalie Alberti, der Tochter eines Hamburger Predigers. Das Lied beschreibt eine nächtliche Landschaft und verweist am Ende auf das Glück, welches nur dem Lyrischen Ich gebührt. Ist hiermit womöglich die Liebe der zukünftigen Ehefrau gemeint?

Das Lied besteht aus 9 Strophen zu je vier Versen. Lediglich die sechste Strophe weist 6 Verse auf. Das Metrum des Lieds ist unregelmäßig. Die Kadenzen variieren nach wiederkehrenden Mustern. In der ersten und der fünften Strophe sind die Kadenzen ausschließlich männlich. In der zweiten und der achten Strophe umschließen zwei weibliche Kadenzen zwei männliche. In der dritten und der siebten Strophe folgen auf zwei weibliche Kadenzen zwei männliche. Dies gestaltet sich ebenso in der sechsten Strophe mit einem Zusatz von zwei weiblichen Kadenzen. In der vierten Strophe sind die Kadenzen ausschließlich weiblich und in der neunten umschließen zwei männliche Kadenzen zwei weibliche. 

Diese Struktur der Kadenzen entspricht in den Fällen der dritten, sechsten, siebten, achten und neunten Strophe sogar dem Reimbild der Paarreime oder der umschließenden Reime. Das Reimschema des Gedichts ist abab cdcd eeff ghhg ijij kkllmm nnoo pqqp rssr. Es handelt sich folglich um Kreuzreime, Paarreime und umarmende Reime, die aus rührenden, reichen und unreinen Reimen bestehen.

Analyse

Erste Strophe

In der ersten Strophe des Liedes wird der Beginn der Nacht beschrieben. Die erste Verszeile schildert den kühlen Tau, welcher sich abends auf den Pflanzen bildet. Hier wird dieser als gleich dem Regen vom Himmel tropfend veranschaulicht. Die Luft kühlt am Abend ab, welche für die kühlen Wassertropfen verantwortlich ist. Die Tautropfen "tun die Blumen die Kelche zu". Die Assonanz betont den Vorgang, bei dem die Blumen ihre Blüten schließen und folglich auch die metaphorischen "Kelche" mit dem Nektar. 

Die Alliteration "Spätrot sieht scheidend" steht für die personifizierte untergehende Sonne. Bevor sie hinter dem Horizont verschwindet, erleuchtet sie noch einmal die Landschaft mit ihrem roten Licht. 

In der letzten Verszeile ist eine weitere Personifizierung zu verzeichnen. Den Pappeln wird die Fähigkeit des Flüsterns zugeschrieben, womit das Rauschen des Windes in den Ästen gemeint ist. Auf diese Weise "sinkt nieder die nächt´ge Ruh´" - die Nacht breitet sich aus. Es  herrscht nun eine friedliche Stimmung.

Zweite Strophe

In der zweiten Strophe geht bereits die Beschreibung auf die nächtliche Atmosphäre über. In der ersten Verszeile der zweiten Strophe treten die Schatten personifiziert auf. Sie kommen und gehen. Gemeint ist das Schattenspiel im Mondlicht. 

Auch in der zweiten Verszeile ist die Personifizierung eines Naturphänomens feststellbar. Wie Kinder dürfen die Wolken spät aufbleiben und den nächtlichen Himmel durchziehen. Ihre Bewegung am Himmel wird als schwer und unbeholfen beschrieben, da diese nur langsam dahinschweben und dabei in ihrer Unförmigkeit unbeholfen erscheinen. 

Die dritte Verszeile ist mit der letzten durch ein Enjambement verbunden, welche aussagt, dass die Wolken "über die erfrischten Matten" ziehen. Laut dem Wörterbuch der Brüder Grimm sind unter Matten Wiesen zu verstehen. Diese werden in der nächtlichen Atmosphäre durch den Tau und die kühler werdende Luft erfrischt.

Dritte Strophe

In der dritten Strophe setzt sich die Personifizierung der Naturphänomene weiter fort. Auch die Sterne "kommen", erscheinen folglich am nächtlichen Himmel und "schwinden" dann wieder. Die Alliteration "Sterne"-"schwinden" unterstreicht das Fehlen der Sterne und verweist damit auf die folgenden Verszeilen, in denen die Dunkelheit und Finsternis beschrieben werden. 

Die Sterne haben außerdem die Fähigkeit, zu sehen und zu winken. Denn sie blicken und winken der Erde zu. Auch die Dunkelheit erscheint personifiziert. Sie "wohnt im Wald". Die Alliteration betont das gruselige Bild des dunklen Waldes in der Nacht, in der sich unte...

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