Melankolie

Einleitung, Form und Metrik

Das Gedicht "Melankolie" ist eines der frühen Werke Johann Ludwig Tiecks. Der Dichter schreibt es noch in seiner Studienzeit, als er im Jahr 1793 depressiv erkrankt ist. Es behandelt das grausame Schicksal des Lyrischen Ichs, dem alle menschlichen Freuden versagt bleiben und welches erst in seinem Tod das Glück findet. In diesem Sinne ist das Gedicht höchst autobiografisch zu verstehen und reflektiert eine Krise in dem Leben des Dichters.

Im Sinne der Universalpoesie verwendet Tieck zwei Jahre später das Gedicht in seinem Briefroman „William Lovell“ und es ist auch in einem Brief von William Lovell an seinen Freund Eduard Burton zu finden. Er veröffentlicht es erneut im Jahr 1841 in einer Gedichtsammlung, die mit „Melankolie“ beginnt.

Das Gedicht besteht aus sieben Strophen zu je fünf Versen. Das Metrum ist ein gleichmäßiger Jambus mit Abweichungen in der ersten, achten und 29. Verszeile. Die Verszeilen 1, 4 und 5 jeder Strophe weisen fünf, die Verszeilen 2 und 3 lediglich vier Hebungen auf. Die Ausnahmen weichen auch von dieser Regel ab, so hat die Verszeile 8 nur drei Hebungen und die Verszeile 29 vier. Die Kadenzen variieren. Bis zur fünften Strophe haben die fünfhebigen Verse eine weibliche und die vierhebigen Verse eine männliche Kadenz, in den letzten drei Verszeilen kehrt sich dieses Muster um.

Das Reimschema des Gedichts ist abbaa cddcc effee ghhgg ijjii kllkk mnnmm. Es handelt sich folglich um ein Gebilde aus Paarreimen und umarmenden Reimformen. Das Gedicht enthält rührende, reiche und unreine Reime.

Analyse

Erste Strophe

Schon die Eröffnung der ersten Strophe lässt den Leser erschauern und entwickelt eine düstere Stimmung. Haben die Nacht und ihre Sterne in der Romantik häufig eine zauberhafte Wirkung, so ist es in diesem Gedicht anders. "Schwarz war die Nacht und dunkle Sterne brannten" – gleich zwei Assonanzen betonen das dunkle Stimmungsbild. Die Sterne wirken hier nicht als Leuchtkörper, sie sind dunkel und spenden kein Licht in der schwarzen Nacht.

Die erste Zeile ist durch ein Enjambement mit der zweiten verbunden, in der das Brennen genauer ausgestaltet wird. Die Dunkelheit der Sterne wird durch das Verdecktsein durch den metaphorischen "Wolkenschleier" begründet. Von diesem verdeckt, erscheinen sie "matt und bleich".

In der dritten Verszeile wird die nächtliche Welt als "Geisterreich" bezeichnet, welches eine Landschaft "durchzieht". Die letzten beiden Verszeilen der ersten Strophe beschreiben die Geburt des Lyrischen Ichs. "Als feindlich sich die Parzen abwärts wandten, und zorn´ge Götter mich ins Leben sandten" – das Ereignis wird gleich mit drei Assonanzen hervorgehoben.

Als Parzen bezeichnet man in der römischen Mythologie die Schicksalsgöttinnen. Ihre feindliche Gesinnung gegenüber dem Sprecher suggeriert folglich ein steiniges, schwieriges Leben. Auch die Götter, welche diesem das Leben schenken, werden hier als zornig beschrieben, was ebenfalls einen negativen Verlauf des Lebens des Lyrischen Ichs voraussagt.

Zweite Strophe

Zu Beginn der zweiten Verszeile berichtet das Lyrische Ich davon, dass ihm die Eule "grause" Schlaflieder "sang". Das Bild verweist ebenfalls auf die unglückselige Kindheit des Lyrischen Ichs,  denn statt wohlklingender Wiegenlieder durch schöne Singvögel, die von Geborgenheit künden, bekam es das Schreien der Eule zu hören. Durch die Assonanz "schrie mir durch die stille Ruh" wird die "grässliche" Begrüßung der Eule betont. Adjektive, wie "graus" und "grässlich", sowie die Eule als nächtliches Tier und Raubvogel halten die in der ersten Strophe entstandene grausige Stimmung aufrecht.

In den letzten beiden Verszeilen der zweiten Strophe spricht das Lyrische Ich die zuvor gegebenen Verweise auf seine Unglücksseligkeit deutlich aus, denn "Gram und Jammer sanken" auf ihn nieder und "grüßten" ihn wie "Brüder". Nicht nur die Assonanzen, sondern auch die Personifizierung von Gram und Jammer betonen in...

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