Andacht

Einleitung und Metrik

Das Gedicht “Andacht“ von Johann Ludwig Tieck ist ein Werk der Frühromantik und entspricht der epochentypischen Vorstellung von der Universalpoesie. Auf diese Weise bezeichneten die Dichter den Versuch, die Wissenschaft, Kunst und Poesie in literarischen Texten miteinander zu verbinden. Die Gattungen der Poesie und Prosa verschmolzen in den Werken zu einer Einheit.

Das Gedicht verkörpert somit ein Fragment aus dem Lustspiel Tiecks in sechs Aufzügen „Prinz Zerbino, oder die Reise nach dem guten Geschmack“, welches in den Jahren 1796 bis 1798 verfasst und 1799 veröffentlicht wurde. Das umfangreiche Stück ist eine Fortsetzung des gestiefelten Katers (1797).

Das Gedicht erscheint ohne Titel in der 7. Szene des 4. Akts, in dem zwei Nebenfiguren, Helikanus und einem Waldbruder, ein Gespräch führen. Der verzweifelte junge Helikanus erzählt dem Waldbruder, dass er hoffnungslos verliebt ist. Der ältere unglückliche Waldbruder berichtet ihm dann von der einsamen Welt, in der er nun lebt, nachdem er seine Frau und seinen Sohn verloren hat. Bevor er das Gedicht vorträgt, beschreibt der Waldbruder, wie er nach diesem Verlust den Himmel anschaut und sich „nach den hohen Lüften“ reckt.

Das Gedicht besteht aus vier Strophen zu je vier Verszeilen. Das Metrum ist ein vierhebiger Trochäus. Die Kadenzen variieren. Das Reimschema ist abab cdcd efef ghgh. Es gibt folglich zwei umarmende Reime und zwei Kreuzreime, die ausschließlich aus reichen und rührenden Reimen bestehen. Die Reime a, e, f und h sind rührend. Die Reime b, c, d, und g reich.

Analyse

Die erste Strophe

Die erste Strophe wird mit einer für die Romantik typischen Naturmotivik eröffnet. Die Assonanz "Wann das Abendroth die Haine" wird durch ein Enjambement mit der zweiten Verszeile verbunden. Durch das Wort "küßt" wird das Abendrot personifiziert. Das Küssen steht hier metaphorisch für das rote Licht der Abendsonne auf den gehegten und gefriedeten Wald sowie die landwirtschaftlichen Flächen, die hier mit dem Nomen "Haine" versinnbildlicht werden.

Die leuchtende Farbe der untergehenden Sonne wird mit den "Abschiedsflammen" verglichen: Die Metapher stellt die Farben des Feuers denen der abendlichen Sonne gegenüber. Auch die beiden nachfolgenden Verszeilen sind durch ein Enjambement miteinander verbunden. Die dritte...

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