Inhaltsangabe

Herder geht in seiner „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ der Frage nach, wie und warum die menschliche Sprache entstanden ist. Er beschreibt darin, welche Rolle die Sprache für den Menschen, seine Entwicklung und seine Identität spielt. Der folgende Text ist eine erläuternde Übersicht und Zusammenfassung zu den Funktionen der Sprache, wie sie von Herder persönlich gesehen und in seiner Abhandlung beschrieben worden sind. Auf die Verwendung des Konjunktivs wird zum besseren Verständnis des Textes verzichtet.

Menschen und Tiere sind empfindsame Wesen und äußern, wenn sie starke Gefühle haben, diese unreflektiert in Naturlauten. Diese Laute erwecken Mitgefühl bei den Lebewesen der gleichen Spezies oder einer nahe verwandten Spezies, die sie hören. Die Laute treffen empfindsame Lebewesen tief in der Seele. Sie berühren sogar den modernen Menschen, der durch theoretische  Bildung und das Leben in der Zivilisation den Kontakt zur Natur weitestgehend verloren hat. Die leidenschaftlichen Naturtöne sind unmöglich schriftlich festzuhalten, ohne dass ihre Wirkung in dieser Form verloren geht.

Für Condillac ist dieses Geschrei der Empfindungen der Ursprung für Ideen, Reflexion, Zeichenverständnis und die Bildung neuer Wörter. Diese Ansicht teilen auch Rousseau und Maupertuis. Doch es muss eine andere Erklärung für den Ursprung der Sprache geben. In seiner Theorie geht Condillac außerdem davon aus, dass die Worte bereits existierten, bevor der Mensch sie zum ersten Mal benutzte. Das hat er mit Süßmilch gemeinsam, der aber wiederum glaubt, dass Gott selbst die Sprache für den Menschen erfunden und sie ihm sozusagen beigebracht hat. Auch diese Theorien sind nicht haltbar. Wörter wurden von Menschen erfunden, Sprache ist menschlichen Ursprungs.

Um den Ursprung der Sprache nachvollziehen zu können, sollte man sich damit beschäftigen, was den Menschen vom Tier unterscheidet, denn Tiere haben keine Sprache, sondern nur der Mensch. Tiere haben eine viel kleinere Lebenswelt als der Mensch. Je kleiner die Lebenswelt, desto stärker ist das Verhalten der Tiere vom Instinkt gesteuert. Insekten können Kunstwerke der Natur erschaffen, mit höchster Konzentration. Einen Bienenstock oder ein Spinnennetz könnte ein Tier, das weniger scharfe Sinne hat, gar nicht erschaffen. Die Sinne werden weniger geschärft, wenn das Lebewesen in einer größeren Sphäre lebt, denn die Sinne werden auf mehrere Eindrücke zerstreut, und so zerstreut sich die Aufmerksamkeit und Konzentration.

Der Mensch hat die größte Lebenssphäre aller Arten. Dadurch, dass er...

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