Johann Gottfried Herder

Johann Gottfried Herder war ein deutscher Schriftsteller, dessen Wirken sehr bedeutungsvoll für die Entwicklung des „Sturm und Drang“, einer Strömung innerhalb der Epoche der Aufklärung, gewesen ist.
Geboren wird Johann Gottfried Herder am 25. August 1744 im damals preußischen Mohrungen, das heute zu Polen gehört. Seine Eltern sind der Volksschullehrer und Kantor Gottfried Herder und Anna Elisabeth Herder, geborene Pelt.
Schon mit 17 Jahren arbeitet Herder als Kopist in einer Bibliothek, wo er in Kontakt mit zeitgenössischer und antiker Literatur kommt. Der junge Herder beschäftigt sich autodidaktisch mit diesen Schriften. Sein erstes Gedicht „Gesang an Cyrus“ schreibt Herder 1762.
Herder studiert in Königsberg zwei Jahre lang Medizin, Theologie und Philosophie. Im Fach Philosophie ist er ein Schüler Immanuel Kants, von dessen Vorlesungen Herder begeistert ist. Sie regen sein selbstständiges Denken an. Später (1799) wird Herder Kants Transzendentalphilosophie in seiner Schrift „Verstand und Erfahrung. Eine Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft. - Vernunft und Sprache. Eine Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft” kritisieren.
Stark geprägt wird Herder auch durch die Freundschaft zu dem 14 Jahre älteren Schriftsteller und Philosophen Johann Georg Hamann. Mit ihm kann Herder Themen der Bereiche Sprache, Volk, Religion und Literatur besprechen, Bereiche, von denen Herders Schriften später handeln werden. 
Herder hat sehr viele Kontakte zu Schriftstellerkollegen. Er trifft viele berühmte Zeitgenossen (u. A. 1769 Denis Diderot, 1770 Matthias Claudius und Gotthold Ephraim Lessing, 1783 Friedrich Gottfried Klopstock) und war mit einigen befreundet (z. B. Jean Paul).
Nach seinem theologischen Examen 1764 arbeitet Herder als Lehrer, Prediger und als Superintendent, Erzieher und Hofprediger für Adlige, unter anderem 1771 in Bückeburg. Nachdem Herder ein paar Jahre lang Literaturtheorien, Gedichte und Rezensionen verfasst hat, erscheint 1766 die Schrift „Über die neuere deutsche Literatur“. In ihr spricht Herder sich gegen den Trend aus, Literatur aus anderen Kulturkreisen und Sprachen zu imitieren. Er argumentiert dafür, sich auf die Muttersprache und den eigenen kulturellen Stil zu konzentrieren, um erstklassige Literatur zu erschaffen.
Herder ist ein großer Anhänger von literarischen Werken mit „Nationalcharakter“, so in Deutschland das Volkslied. 1774 gibt er eine Volksliedsammlung heraus, und vier Jahre später erscheint die Sammlung „Lieder der Liebe. Die ältesten und schönsten aus dem Morgenlande. Nebst 44 alten Minneliedern“. Herder versucht nicht, die Literatur anderer Länder, Zeiten und Kulturen zu imitieren, sondern er überträgt sie direkt ins Deutsche. Noch ein Jahr vor seinem Tode erscheint in Herders eigener Zeitschrift „Adrastea“ eine Übertragung einer spanischen Romanze über einen Nationalhelden, „Der Cid“.
Herder reist viel nach Frankreich, lebt zeitweise in Paris, unternimmt aber auch einige Reisen innerhalb Deutschlands. 1770 lernt er auf einer Reise seine zukünftige Ehefrau Marie Karoline Flachsland kennen. Im gleichen Jahr kommt es in Straßburg zu einer Begegnung zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Herder. Dieses Treffen beeinflusst beide Schriftsteller maßgeblich. 
Mit 32 Jahren zieht Herder nach Weimar, wo Goethe und Christoph Martin Wieland ihm zu Stellungen als Generalsuperintendent, Mitglied des Oberkonsistoriums und erstem Prediger der Stadtkirche verhelfen. Zusammen mit Friedrich Schiller ergeben die Schriftstellerkollegen das berühmte „Viergestirn von Weimar“, dessen Wirken die Zeit der Weimarer Klassik ausmacht. 
Ab 1777 beginnen zwischen Herder und Goethe stärkere Auseinandersetzungen, unter anderem deswegen, weil Herder seine kirchliche und schulische Arbeit durch Goethe nicht genügend gewürdigt findet, und wegen seiner aufklärerisch-didaktischen Dichtung.
Herder kritisiert veraltete Theorien und Weltanschauungen häufig und wirkungsvoll und leitet durch seine kritischen Werke neue Denkströmungen ein. Seine historisch-genetische Geschichtsbetrachtung ist ein wesentlicher Beitrag für die Entwicklung der Geschichtswissenschaft.
1772 kommt seine „Abhandlung über den Ursprung der Sprache“ heraus. Hier argumentiert er gegen die Vertreter der Meinung über den göttlichen Ursprung der Sprache und weist nach, dass Sprache vom Menschen erfunden worden sei, weil es seiner natürlichen Bestimmung entspreche. Durch diese Abhandlung gilt Herder als der Wegbereiter für die Sprachwissenschaft, wobei Wilhelm von Humboldt der eigentliche Begründer war.
Von der Berliner Akademie der Wissenschaften gibt es für dieses Werk einen Preis. Diese Ehrung bekommt Herder acht Jahre später noch einmal für die Schrift „Vom Einfluß der Regierungen auf die Wissenschaften und der Wissenschaften auf die Regierung“. 1787 wird er Ehrenmitglied der Akademie. Eine weitere kritische Schrift Herders ist die „Älteste Urkunde des Menschengeschlechts“ von 1774-1776, in welcher er die christliche Schöpfungsgeschichte als literarischen Mythos interpretiert.
1785 wirkt Herder wesentlich mit bei der Weimarer Schulreform und macht die Bekanntschaft mit Georg Forster. 1788 unternimmt er eine längere Italienreise in Begleitung verschiedener Bekannter.
Ein Jahr vor seinem Tod wird Herder geadelt. Er stirbt am 18. 12. 1803 im Alter von 59 Jahren in Weimar.

Weitere wichtige Werke Herders:
Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (1784-91)
Von deutscher Art und Kunst (1773)
Briefe zur Beförderung der Humanität (1793-97)
Die Metakritik der Urteilskraft (1800)

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