Rezension

Jeremias Gotthelfs berühmte Erzählung Die schwarze Spinne (1841) verbindet geschickt Volksaberglauben mit christlichem Glauben. Zugleich bietet der Text eine realistische Schilderung der zeitgenössischen bäuerlichen Welt im Emmental. Ein Großvater berichtet bei der feierlichen Taufe seines Enkelkindes in zwei Rückblicken von der Geschichte der teuflischen schwarzen Spinne.

Innerhalb von zweihundert Jahren taucht diese zwei Mal auf und bringt Schrecken und Tod ins Tal. Die Spinne bedeutet das Böse, welches nie stirbt: Sie schläft und lauert, bis sie aufgrund eines erneuten Sittenverfalls wieder auftaucht. Damit scheint Gotthelf die Geschichte der Menschheit neu zu erzählen. Diese vergisst immer wieder die bereits erteilten Lehren und muss durch harte Schicksalsschläge an die christlichen Grundwerte erinnert werden.

Der Schriftsteller erweist sich in seiner Novelle als ein meisterlicher Psychologe. In einmaliger Präzision zeigt er beispielsweise, wie Menschen sich in Gruppen verhalten und wie anders sie dann reagieren, wenn sie dabei unter Druck oder sogar in Gefahr geraten: Dass sie dann nämlich erstaunlich schnell bereit sind, ihre humanen Wurzeln über Bord zu werfen und gleichsam einen Pakt mit dem Teufel zu schließen. Dieser kann in vielerlei Gestalt auftreten und den Einzelnen verführen.

Wie schnell der Zusammenhalt wegbrechen kann, demonstriert die Dorfgemeinschaft in Jeremias Gotthelfs Novelle: Statt den Einzelnen in der Bedrohung erst recht einzubinden, wird Christine ausgestoßen oder gewissenlos zum Sündenbock gemacht. Es zeigt sich, dass die meisten versuchen, für sich selbst das Bestmögliche herauszuholen – mit teilweise erschreckender Grausamkeit. Alles, was der eigenen Rettung im Weg steht, wird konsequent ausgeblendet. So sind die Dorfbewohner relativ schnell bereit, dem Grünen ein neugeborenes Kind auszuliefern, nur um sich selbst zu retten.

Der „Teufel“ des Egoismus hat deshalb leichtes Spiel, denn die gegenseitige Unterstützung ist nur vordergründiger Natur. In der Erzählung tauchen folgende Hauptkonflikte auf: 1. Der Gegensatz zwischen Hochmut und Frömmigkeit; 2. der Kampf des Guten gegen das Böse sowie 3. die Auseinandersetzung zwischen den Einheimischen und Fremden.

Jeremias Gotthelfs Geschichte Die schwarze Spinne ist sehr stark mit dem dualistischen Weltbild des Gottesglaubens und der Gottlosigkeit verbunden. Themen, wie die Sündhaftigkeit des Menschen, gelten zwar nicht mehr modern. Auch hat der Glaube an einen real existierenden Teufel, an ein…

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