Die Rolle der Frau

Der neue Status der Frauen

Jeremias Gotthelf waren die jungen Frauen aus dem Großbürgertum verdächtig, die sich einerseits in die Lektüre romantischer Romane verloren, andererseits mitbestimmen und vielleicht sogar politischen Einfluss nehmen wollten. Wie Gotthelf es in seiner Sammlung „Zeitgeist und Berner Geist“ zum Ausdruck brachte, war es für ihn das Schlimmste, wenn Mütter die (liberale) Zeitung lasen, überall mitreden wollten und ihre Kinder ohne Ende schreien ließen.[1] Die Folge sei das absolute Chaos.

Im 19. Jahrhundert kam es zu einem Machtverlust der Frauen im ländlichen Bereich. Als Folge der Agrarrevolution waren sie im bäuerlichen Großhaushalt nur noch für wenige Bereiche zuständig. Kümmerten sie sich zuvor neben den Schweinen auch um die Kühe sowie um die Milchwirtschaft, so fiel diese Arbeit nun allein in die Zuständigkeit der Männer. Diese Machtkämpfe auf den Berner Bauernhöfen spiegeln sich in den Gesprächen der Rahmenerzählung in der „schwarzen Spinne“ wider.

So übt die Taufgesellschaft heftige Kritik an ihrer Gegenwart. Dabei wird auch gegen Frauen gewettert, welche für harte körperliche Arbeiten nicht zu gebrauchen sind: Sie ziehen im Sommer Handschuhe an und drücken sich vor Anstrengungen, wo sie nur können. 

An dieser Stelle wettert Gotthelf auch gegen die ihm unliebsame Verstädterung des ländlichen Raums: „Solche Schlärpli (schwächliche Persönchen), wie heutzutage die meisten Mädchen seien, geben gar teure Frauen, die meisten meinen ja, um eine brave Frau zu werden, hätte man nichts nötig als ein blauseidenes Tüchlein um den Kopf, Händschli (Handschuhe) im Sommer und gestickte Pantöffeli im Winter“ (S.21f).

Die ungebärdete Christine

Die markanteste Frauenfigur in den Binnengeschichten ist die sogenannte Lindauerin Christine. Sie hat den Hornbachbauern im Dorf geheiratet. Als Frau und Fremde – sie ist von Lindau am Bodensee zugezogen – vereint Christine für einen Menschen des Mittelalters gleich zwei Nachteile in sich.

Hinzu kommt ihr in den damaligen Augen widerborstiger Charakter: Statt sich klein zu machen und ihre Pflichten in Haus und Hof sowie in Bezug auf die Kinder demütig zu erfüllen, will die Hebamme mitreden. Christine ist mutiger als die Männer im Dorf und verstößt damit nicht nur gegen die Gepflogen...

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