Interpretation

Das wesentliche Merkmal einer Novelle ist die Schilderung einer sich ereigneten, unerhörten Begebenheit. Auf Die schwarze Spinne trifft dies gleich in mehrfacher Hinsicht zu. Zum einen ist die Geschichte vom zweimaligen Pestausbruch für die Zuhörer des Großvaters eine Neuheit. Zudem sind verschiedene, inhaltliche Aspekte in den Augen der damaligen Leser unerhört: Der Teufelspakt, der Einbruch des Unheimlichen, Jenseitigen in die geordnete, mittelalterliche Welt der Binnengeschichten.

Ganz typisch für die damalige Zeit ist hingegen Gotthelfs Darstellung der Frauen. Die weibliche Hauptfigur Christine bricht zwar mit dem vorhandenen Rollenklischee. Stellvertretend für alle Bewohner übernimmt sie die Verhandlung mit dem Grünen. Durch den Kuss des Teufels wird zunächst das Dorf gerettet. Dieser übernimmt es für sie, den von Stoffeln geforderten Schattengang auf dem Bärhegenhubel zu errichten. Allerdings bedeutet der Vertrag auf längere Sicht eine Katastrophe: Weil die Bauern dem Grünen kein ungetauftes Kind ausliefern, bricht die schwarze Spinne auf Christines Backe aus und tötet zunächst die Tiere, dann die Menschen.

Die Moral des Autors erlaubt es nicht, die Frauen in seiner Novelle in selbstbewusster, positiver Weise darzustellen. Christine, die eigensinnig und emanzipiert ist, wird aufgrund ihrer Stellvertreterrolle zum Opfer. Sie erleidet furchtbare Schmerzen. Schließlich wird sie selbst bei der dritten Taufe zur schwarzen Spinne. Dennoch kann man von einer formalen Gleichberechtigung der Geschlechter in der Erzählung sprechen: Im Aufbau sind den Männern ebenso wie den handelnden Frauen gleichmäßig positive wie negative Handlungen zugedacht.

Eindeutig ist Jeremias Gotthelfs Ablehnung gegenüber allem Fremden innerhalb der Novelle. Alle Figuren mit schlechten Charakterzügen stammen von außerhalb des Tals und sind allein schon deswegen verdächtig. Für den biedermeierlichen Schriftsteller, welcher sich literarisch auf seine nächste Umgebung beschränkte, bedeutete alles Unbekannte ein nicht zu kalkulierendes Risiko. Welchen Einfluss der sich damals in der Schweiz anbahnende Tourismus darauf ausübte, wird leicht verständlich erklärt.

Einer der dunklen Punkte in der „schwarzen Spinne“ stellt die Ausgrenzung Einzelner aus der dörflichen Gemeinschaft dar. In erster Linie ist hier wieder die tragische Gestalt der Christine zu nennen. Die selbstsüchtigen Bauern schieben sie gerne vor, als es gilt, über das Abkommen mit dem Teufel zu verhandeln. Später wenden sie sich demonstrativ von ihr ab. Sie zeigen Christine deutlich, dass sie die Folgen ihres Handelns allein zu tragen hat.

Genauer geht diese Interpretation auch auf die Rolle des Priesters ein, der die Seelen der Neugeborenen vor dem Satan rettet. Als Gegenspieler der „Lindauerin“ wird er in der Novelle eingeführt. Die Rolle dieses Geistlichen wird hier eingehend besprochen. Wenn es um die Gegensätze „Gut“ und „Böse“ geht, so gehört er eindeutig dem Gott zugewandten, selbstlosen guten Bereich an. Die Lektüre unserer Interpretation wird Dich dazu in die Lage versetzen, die wichtigsten Themen innerhalb des Texts schnell und sicher zu benennen. Und unsere Aufarbeitung unterstützt Dich dabei, Dir eigene Gedanken über die Handlung sowie deren Bedeutung zu machen.

 

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