Rezeption, Kritik und Adaption

Wenige Briefe von 1841/42 zeugen von der Novelle

Neben dem Brief an den Volksschriftsteller und Verleger Hartmann (siehe Abschnitt „Entstehung und Quellen“) zeugen noch einige weitere, zeitgeschichtliche Dokumente von der „schwarzen Spinne“. Diese wurden zwischen Sommer 1841 und Dezember 1842 verfasst.

So schrieb Jeremias Gotthelf dem Historiker und Pfarrer Johann Kaspar Mörikofer am 3. August, dass seine Erzählungen Die RotentalerDie Gründung Burgdorfs, Die drei Brüder sowie Die schwarze Spinne dem aktuellen Bedürfnis der Bevölkerung nach Sagen zu verdanken seien. „Aber eben deswegen möchte ich nicht ungeschlacht und tölpisch in die vornehme Gesellschaft treten, besonders da das, was ich mitbringe, schön und reich ist.“[1] Er bittet Mörikofer, Die schwarze Spinne zu beurteilen.

Ansonsten tauchen zu der Novelle nur wenige Bemerkungen in den Briefen auf: Carl Bitzius, ein weitläufiger Verwandter und literarischer Förderer Gotthelfs, erklärte diesem in einem Schreiben vom 20. Juli, wie sehr ihm die „Geschichte von der Spinne“[2] gefallen habe. Er schlug nur einige wenige Verbesserungen vor.

Des Weiteren gibt es einen kurzen Hinweis in einem Brief Gotthelfs an den Theologen und Autor Karl Rudolf Hagenbach sowie in dessen Erwiderung. Außerdem ist ein schriftliches Lob Henriette Solgers, der Frau des Philosophen Karl Wilhelm Ferdinand Solger, zu verzeichnen – eine der wenigen positiven zeitgeschichtlichen Äußerungen bezüglich des Werks. Doch selbst in den Kommentaren zum Gesamtwerk des Autors blieb die Novelle zunächst außen vor.

Zu Gotthelfs Zeiten wurde die „Spinne“ kaum wahrgenommen

Mindestens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts standen Jeremias Gotthelfs lehrreiche Bauernromane im Vordergrund der Wahrnehmung. Zu diesen gehören insbesondere „Wie Uli der Knecht glücklich wird“ (1841) sowie „Uli der Pächter“ (1847). Diese Werke boten leicht verdauliche Kost, die von den gebildeten Lesern Gotthelfs aus der Mittel– und Oberschicht geschätzt wurde. Denn, obwohl der Schweizer Pfarrer stets betonte, dass er für die Bauern sowie für die einfachen Leute schreibe, erreichte er diese zum großen Teil analphabetische Gruppe zu seinen Lebzeiten kaum.

Gotthelf selbst maß der überwältigenden Sprachkraft und symbolischen Dichte in seiner „Schwarzen Spinne“ keine besondere Bedeutung bei. Diese wurde von den Kritikern seiner Zeit...

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