Entstehung und Quellen

Religiöse Erziehung

Jeremias Gotthelfs schriftstellerisches Werk wurde innerhalb von 18 Jahren verfasst. Dabei lassen sich inhaltlich drei wesentliche Phasen herauskristallisieren. In der ersten Schaffensperiode (1836-1840) lag sein Schwerpunkt auf dem Gebiet der Volkserziehung. Zwischen 1841 und 1845 schrieb er mehrere große Romane. Und von 1846 bis 1854 fällt der zeitkritische Aspekt im Schaffen Gotthelfs auf.

Nachdem Gotthelf den Roman „Uli der Knecht“ im Frühling 1841 an seinen Herausgeber, den Volksschriftsteller Alfred Hartmann, gesandt hat, verfasst er „Die schwarze Spinne“ recht schnell– zusammen mit drei weiteren, ebenfalls auf Sagen beruhenden Erzählungen. Die Novelle schickt er seinem Verleger am 24. Mai 1841 mit den Worten: „Hier endlich eine Sage, von der ich drei Buchstücke aufgabelte, deren Verknüpfung mein armes Hirn in Anspruch nahm“.[1]

Der Dichter, der selbst Pfarrer war, verdeutlicht mit seiner Erzählung, welches Unglück die Abwendung von Gott verursachen kann. Die Novelle Die schwarze Spinne soll ihre Leser zu einem tugendhaften Lebenswandel anhalten und religiösen Zwecken dienen. Der Autor versucht, die Menschen im christlichen Sinne zu erziehen und sie vor der Macht des Teufels zu bewahren.

Sagen als Vorbilder für die Novelle

Die schwarze Spinne ist nicht ausschließlich der Fantasie Gotthelfs entsprungen. So benutzte der Schweizer mündlich überlieferte Sagen als Vorlage für seine Erzählung. Auch für die zahlreichen anderen Werke des Autors lässt sich dies nachweisen: So etwa für die je mehrere Bände umfassenden Sammlungen „Bilder und Sagen aus der Schweiz“ (1842-46) sowie für die „Erzählungen und Bilder aus dem Volksleben der Schweiz“ (1850-55). Es war dem Autor ein wichtiges Anliegen, die überlieferten Sitten aufzuzeichnen.

Auch Gotthelfs große Bauernromane, für die er bereits zu seinen Lebzeiten berühmt war, fußen letztlich auf überliefertem Volksgut, das ihm gut bekannt war. Allerdings bearbeitete der Lützelflüher Pfarrer den vorhandenen Stoff sehr stark, dass dabei sehr individuelle Texte entstanden. Dies gilt für „Wie Uli der Knecht glücklich wird“ (1841) wie für „Uli der Pächter“ (1848).

Zu den drei „Bruchstücken“, die der Schriftsteller in seinem Brief an den Verleger erwähnt, zählt:

  • Die Verpflöckung der Spinne: Stammt aus der Appenzeller Volkssage „Paracelsus und der Teufel“, welche wohl auch von Langbein benutzt worden war. Diese Sage übernahmen außerdem die Brüder Grimm für ihre „Kinder- und Hausmärchen“ (1812/15) unter dem Titel „Der Geist im Glas“.
    Des Weiteren kursierte in der Schweiz die Sage „Die Spinne auf der Heidenburg“. Darin wird vom Kuss einer Spinne berichtet, welcher das Gesicht anschwellen lässt. In „Der Schwarze im Pfahl“ ist der Teufel in einen morschen Pfosten eingesperrt.
  • Eine unheilvolle Seuche: Dieses Thema ist vermutlich zwei Sagen aus der Innerschweiz entnommen: „Pestrauch verkeilt“ und „Wie ein Capuziner aus dem Lucernerbiet die Seuche begrabt und verkeilt“. Auch in der kurzen, volkstümlichen Erzählung „Die Beule in die Wand vernagelt“ ist die Rede vom „Beulentod“.
  • Das
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