Christine

Der naive Plan der furchtlosen „Lindauerin“

Jeremias Gotthelf macht wiederholt klar, dass er weibliches Unabhängigkeitsstreben nicht gut heißt. So wird Christine gleich bei ihrem ersten Erscheinen als „grausam handlich Weib“ (S.36) eingeführt. Sie ist also resolut und fähig, sich durchzusetzen.  Die „Lindauerin“ hat „wilde, schwarze Augen“ und fürchtet „sich nicht viel vor Gott und Menschen“ (S.36). Statt über die verfahrene Situation zu weinen, in der sich die Bauern befinden, versucht sie zu handeln. Darin unterscheidet sie sich von der anonymen Masse der Frauen in ihrem Dorf.

Wenn etwas ihrem Willen zuwiderläuft, wird die Frau des Hornbachbauern – diesen Hof kannte Jeremias Gotthelf tatsächlich – sehr schnell laut. Wenn es nach Christine gegangen wäre, hätte man den Wunsch des Schlossherrn nach einem Schattengang rundheraus ablehnen müssen. Ihren Ärger über die Zaghaftigkeit der Männer zeigt sie offen: Sie „ergrimmt“ in der Seele (ebd.), steigert sich also maßlos in ihre Wut hinein. Neugierig möchte Christine wissen, wie der Grüne aussieht (S.37). Schließlich wissen alle in der Gegend, dass sie couragiert, also mutig, ist (S.46).

Als der Grüne vor ihr steht, fasst sich die sogenannte „Lindauerin“ (S.47) nach erstem Schrecken daher auch ein Herz. Sie versucht, mit dem Teufel zu verhandeln. Als das fehlschlägt, tröstet sich die Bäuerin und Hebamme (S.57) damit, dass man den Beelzebub ja immer noch hereinlegen könne. Man müsse nur zum Schutz Gottesdienste abhalten lassen und könne dann den Grünen auslachen (S.42), lautet ihr naiver Plan. Dieser stellt sich leider als Irrtum heraus und führt Christine und das gesamte Tal in eine Katastrophe hinein.

Besiegelung des Pakts mit dem Dämon

Die Anzüglichkeiten des Grünen gefallen der leidenschaftlichen Frau – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Vom Teufel mit Komplimenten wie mit aggressivem Drängen dazu getrieben, willigt sie in den Vertrag ein. Von „hübschen Weibern“ (S.43) begehrt der Böse dafür lediglich einen Kuss: „Da berührte der spitzige Mund Christines Gesicht, und ihr war, als ob von spitzigem Eisen aus Feuer durch Mark und Bein fahre, du...

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