Flucht und Fremdheit

Deutschland: Krieg und Aussiedlung

Der Roman behandelt nicht nur die Flucht der afrikanischen Männer, sondern stellt ihnen deutsche Schicksale gegenüber, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Flucht und Vertreibung geprägt wurden.

Richards Vater war als deutscher Soldat in Norwegen und Russland, „um Kriegswirren zu erzeugen“ (S. 118). Sylvia erinnert sich an ihren Großvater, der seiner Frau blutige russische Kinderwäsche für die eigenen Kinder geschickt hat. Ihr Großvater und die Väter, Großmütter und Mütter haben Zerstörung angerichtet und nach dem Krieg „eine leere Fläche hinterlassen, die von ihren Nachkommen neu beschrieben werden musste“ (S. 118). Detlef denkt an seine Mutter, die als Trümmerfrau Steine klopfte für den Wiederaufbau.

Auch Richard musste in seinem Leben bereits flüchten. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde seine Familie dazu gezwungen, aus Schlesien nach Deutschland zu übersiedeln. Auch wenn er und seine Familie diesbezüglich im Text beinahe euphemistisch als „Aussiedler“ (S. 25) bezeichnet werden, ist ihre Rückkehr nach Deutschland doch durch Vertreibung erzwungen worden (siehe dazu Epoche ”Einwanderung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg“).

Richards Frau Christel und seine Freunde Detlef und Sylvia sind als Nachkriegskinder und ehemalige Ostdeutsche immer noch von den damaligen Erlebnissen und von den jahrelangen Nachwirkungen des Krieges geprägt (S. 119-120).

Deutschland: Teilung und Wiedervereinigung

Richard muss sich als DDR-Bürger nach dem Mauerfall mit einer tiefgreifenden Veränderung in seinem Leben auseinandersetzen: „1990 war er plötzlich, von einem Tag auf den andern, Bürger eines anderen Landes gewesen, nur der Blick aus dem Fenster war noch derselbe.“ (S. 103).

Bis ins hohe Alter bleibt der ehemalige Ostdeutsche Richard das moderne Leben im vereinten Deutschland in gewissen Teilen fremd und er kennt sich immer noch nicht gut im westlichen Teil von Berlin aus (S. 193). Auch für seine Bekannten ist dieses Leben immer noch ungewohnt: „Noch immer sind er und seine Freunde damit beschäftigt, die Segnungen dieser anderen Welt[,] die sich seit bald fünfundzwanzig Jahren immer enger mit der ihren verschlingt, zu er...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen