Die Protestaktionen der Flüchtlinge

Hungerstreik auf dem Alexanderplatz

Ende August versammeln sich zehn Männer auf dem Alexanderplatz vor dem Roten Rathaus in Berlin. Sie fordern einen Arbeitsplatz, von dem sie in Deutschland leben können. Doch sie weigern sich, Auskunft zu erteilen, wer sie sind und woher sie stammen. Die Polizei und die Vertreter des Senats weisen sie darauf hin, dass sie verschiedene Kriterien erfüllen müssen, um Asyl in Deutschland zu beantragen:

  • Sie müssen unter gewisse Gesetze fallen, um in Deutschland bleiben und arbeiten zu dürfen
  • Sie müssen in ihrem Heimatland nachweislich in Not sein
  • Sie dürfen keine Verbrecher sein
  • Sie müssen Regeln erfüllen, um in Deutschland bleiben zu dürfen (S. 18)

Die Verweigerung dieser Angaben, die für die deutsche Bürokratie unumgänglich sind, führt dazu, dass der Hungerstreik nach einigen Tagen aufgelöst wird. Auch die spätere Auflösung der Zeltstadt auf dem Oranienplatz verläuft auf der Grundlage bürokratischer Richtlinien. Die öffentliche Ordnung muss aufrechterhalten werden und die Flüchtlinge und ihr Leben werden inzwischen von rechtsgerichteten Personen offen bedroht. Richard fragt sich vor diesem Hintergrund, wer mit der Auflösung der Flüchtlingsbaracken auf dem Oranienplatz in Sicherheit gebracht wurde: „Hatte der Senat also die Afrikaner in Sicherheit gebracht oder vielmehr sich selbst?“ (S. 64).

Sichtbarkeit der Flüchtlinge

Die zehn Männer, die auf dem Alexanderplatz vor dem Roten Rathaus in den Hungerstreik treten, wollen damit „sichtbar“ (S. 23) werden. Doch obwohl sie sich mitten in Berlin befinden, wird ihnen nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die sie sich erhoffen.

Als Richard zum ersten Mal an den zehn Männern auf dem Alexanderplatz vorbeigeht, die dort in einen Hungerstreik getreten sind, um auf ihre Forderung nach einem Aufenthalts- und Arbeitsrecht in Deutschland aufmerksam zu machen, bemerkt auch er die Gruppe deshalb gar nicht, weil er an die Stadt Rzeszów und an die Berichte eines befreundeten Archäologen denkt, der ihm von weitläufigen alten Kellern unter dem Alexanderplatz erzählt hat (S. 19). Auch die Mitglieder eines Fitnessclubs, die aus dem Fenster über den Platz sehen können, nehmen die Situation wahrscheinlich nicht wahr (S. 23-24).

Richard wundert sich später, als er die Berichterstattung darüber im Fernsehen sieht, dass er diese Gruppe in diesem Moment nicht wahrgenommen hat (S. 27). Dennoch findet er die Idee gut, „sichtbar zu werden, indem man öffentlich nicht sagt, wer man ist“ (S. 31). Obwohl die Flüchtlinge offen und mitten in Berlin protestieren, wird ihr Protest nicht von jedem sofort wahrgenommen, da die Menschen zu sehr auf sich selbst konzentriert sind.

Der Protest gegen die Verlegung

Als die Flüchtlinge aus dem Gebäude auf dem Gelände des Altenheims nach B...

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