Der Kontrast zwischen den Flüchtlingen und den Deutschen

Die verschiedenen Lebensbedingungen

Die großen Probleme und Herausforderungen, mit denen sich die Männer aus Afrika schon in jungen Jahren konfrontiert sehen, wirken gegenüber dem Leben eines jungen deutschen Mannes beinahe übermächtig: „Als Markus, der Sohn von Detlef und Marion, fünfzehn Jahre alt war, hat sein Ziehvater ihn beim Abendbrot das Periodensystem der Elemente abgefragt, Detlef besorgte ihm, als er sechszehn war, einen Praktikumsplatz bei einem Ingenieur, und Marion machte ihm, als er Abiturprüfungen hatte, zum Frühstück Müsli mit frisch geriebenem Apfel, damit er sich besser konzentrieren konnte. […] Osarobo hat mit fünfzehn Jahren gesehen, wie man seinen Vater und seine Freunde erschlug. Und jetzt sieht er seit drei Jahren, dass die Welt ihn nicht braucht.“ (S. 296).

Richard stellt sich vor, wie eine Liste aussehen würde, wenn er alle seine Dinge, die er erledigen muss, denen von Karon, Apoll oder Raschid gegenüberstellen würde. Während er einen Monteur bestellen und einen Termin beim Urologen vereinbaren muss, mussten Karon in seiner Heimatland gegen Korruption, Vetternwirtschaft und Kinderarbeit vorgehen, Apoll gegen die Umweltverschmutzung durch Areva, korrupte Regierungen und die Unterdrückung der Tuareg aufstehen, Raschid für die Versöhnung von Christen und Muslimen sowie für eine Waffenniederlegung der Boko Haram plädieren und Hermes sich für ein Verbot von Waffenlieferungen an Tschad und der Förderung von Erdöl durch ausländische Investoren einsetzen (S. 252-253).

Konsum

Der Einkauf eines Flüchtlings unterscheidet sich deutlich von dem Richards: Während sich Rufu nur einen Sack Zwiebeln kauft, der circa einen Euro kostet, erwirbt Richard Salat, Tomaten, Paprika und Nudeln für 16,50 Euro. Der Gesamtpreis verdeutlicht, dass er Wert auf gute Nahrungsmittel legt und nicht über den Preis nachdenken muss. Trotz seiner eingeschränkten Finanzen hat Rufu keinerlei Probleme damit, Richard 20 Euro zu leihen, als dieser sein Geld vergessen hat (S. 161). Er will später davon auch nur 10 Euro zurücknehmen.

Karon bekommt später Ärger mit der Polizei, da das Bild in seinem Ausweis kaum noch etwas mit seinem jetzigen Erscheinungsbild zu tun hat. Er hat auf der Flucht so sehr gelitten, dass er anfangs von Richard nur „der Dünne“ genannt wird. Apoll isst nur sehr wenig und lebt vier Tage lang von einem Teller Couscous, um immer auf die Zeit vorbereitet zu sein, in der er wieder hungern und dursten muss (S. 218).

Nicht alle der Flüchtlinge haben ein entbehrungsreiches Leben hinter sich. Raschid kann sich nach seiner Flucht mit seiner Familie in Libyen ein neues Leben und ein eigenständiges Unternehmen aufbauen. Am Tag von Eid Mubarak, dem höchsten Festtag der Moslems, kann er daher ein großes Festessen mit Eggplants, Tomaten, Peperonicini in Öl, Fisch, Reis, Yamwurzen, Plantains, Kalb, Hühnchen und Lammfleisch organisieren (S. 111). Er hat auch nach seiner Flucht noch einen stattlichen Körperbau, was Richard anfangs verwundert: „Dann geht es also doch nicht allen Flüchtlingen schlecht, denkt Richard, wenn der Kerl so massiv ist.“ (S. 60).

Luxus und Überfluss

Die Geburtstagsfeier von Detlef, einem alten Schulfreund von Richard, steht in einem starken Kontrast zur Lebensgeschichte von Awad, die diesem Kapitel vorangeht. Auf seiner Flucht verdurstet er beinahe und nach seiner Ausweisung aus dem Lager in Sizilien leidet er unter Hunger und Obdachlosigkeit. Das Buffet auf der Geburtstagsfeier zeichnet sich dagegen durch einen großen Überfluss aus und so wird gefragt: „Richard, was soll man essen?“ (S. 88). Dennoch ...

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