Fiktion oder Wirklichkeit

Faktuale und fiktionale Texte

Die Unterscheidung von Texten in faktuale und fiktionale Texte geht auf den Literaturwissenschaftler Gérard Genette zurück. Faktuale Texte sind beispielsweise Biografien oder Chroniken. Der Wirklichkeitsfaktor der Texte ist überprüfbar, es wird versucht, reale Fakten möglichst unverfälscht wiederzugeben. Die literarische Ausgestaltung solcher Texte steht nicht im Widerspruch zu ihrem Wahrheitsanspruch.

Fiktionale Texte basieren dagegen auf einem fiktionalen Erzähler, der in einen Dialog mit einem realen Leser tritt. Die dargestellten Ereignisse sind frei erfunden. Jenny Erpenbecks Roman verbindet faktuales und fiktionales Erzählen miteinander.

Die realen Geschichten der Flüchtlinge

In einem Interview berichtet die Autorin selbst:

„Die Personen und deren Geschichten sind alle wahr. Die porträtierten Flüchtlinge sind alle real, waren natürlich exemplarisch. Ich habe mit insgesamt zwölf Männern gesprochen und für das Buch fünf von ihnen ausgewählt. Die Gespräche habe ich auf Englisch und teilweise auf Italienisch geführt.

Wie real die Männer sind, wird ein Fotobuch zeigen, das eine Freundin aus Fotos, die sie von den Männern gemacht hat, zusammenstellen wird.

Manche Leser des Buches haben gesagt, ich habe nur über die Netten geschrieben. Aber das waren diejenigen, die sich geöffnet haben und mit denen ich gerne lange gesprochen habe.

Selbst die Beschreibung im Buch, dass am Ende (fast) alle Freunde von Richard einen Flüchtling aufnehmen, entspricht der Realität. Nicht nur ich, ‚Jenny Erpenbeck‘, habe einen der Flüchtlinge momentan noch bei mir wohnen, auch mehrere meiner Freunde boten den Männern ein Zimmer an.“.[1]

Hungerstreik der Flüchtlinge auf dem Alexanderplatz

Im Oktober 2012 treten 25 Flüchtlinge vor dem Brandenburger Tor auf dem Pariser Platz in einen Hungerstreik. Nach einem Gespräch mit der damaligen Integrationsbeauftragten Maria Böhmer setzen sie ihren Hungerstreik fort und organisieren Ende November / Anfang Dezember 2012 einen zweiten Hungerstreik auf dem Pariser Platz in Berlin. Sie brechen ihn nach circa zehn Tagen ab. Im Oktober 2013 treten erneut 23 Flüchtlinge auf dem Pariser Platz in den Hungerstreik, kurz darauf erhöht sich die Zahl sogar auf 31. Mitte Oktober treten sie zusätzlich in einen Durststreik, woraufhin viele von ihnen kollabieren, abbrechen und ärztlich behandelt werden müssen. Weitere Flüchtlinge aus Würzburg, Aschaffenburg und Münnerstadt, die ebenfalls an dem Streik teilnehmen wollen, werden von der Polizei davon abgehalten.

Der trockene Hungerstreik, den Erpenbeck am Anfang ihres Romans darstellt und der...

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