Richard

Der emeritierte Professor

Richard ist Professor für klassische Philologie (S. 56) und etwa Ende Sechzig alt (S. 316). Er wurde zwei Wochen (S. 14) vor Beginn der Haupthandlung emeritiert. Nachdem Richard im Sommer 2013 in Ruhestand getreten ist, verbringt er als Witwer viel Zeit allein zu Hause. Seine Frau ist bereits verstorben, seine Geliebte hat ihn verlassen und er hat keine Kinder.

Zum Zeitpunkt der Haupthandlung 2013 lebt Richard seit zwanzig Jahren in dem Haus am See auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in Ostberlin. Dorthin sind er und seine Frau kurz vor ihrer Silbernen Hochzeit gezogen (S. 188). Vorher lebten sie in einer Wohnung mitten in Ostberlin, „nur zweihundert Meter Luftlinie vom Westen Berlins entfernt“ (S. 45). Er verfügt auch im Ruhestand über genügend Geld.

Richard hat selbst wissenschaftliche Bücher verfasst (S. 9) und kann sich nach dem Verlassen des Instituts nur schwer an die ganze freie Zeit gewöhnen, die ihm nun zur Verfügung steht. Es fällt ihm zudem schwer, sich mit der Vorstellung anzufreunden, dass nun ein junger Mann seinen Platz einnimmt, dessen Name bald auf dem Briefkopf des Instituts zu lesen sein wird (S. 13).

Richards Kindheit

Am Ende des Zweiten Weltkriegs muss Richards Familie von Schlesien nach Deutschland umsiedeln. In der Hektik der Abreise wird Richard, der zu diesem Zeitpunkt noch ein Säugling ist, am Bahnhof von seiner Mutter getrennt. Ein russischer Soldat hilft dabei, den Säugling über die Köpfe der anderen Aussiedler hinweg zu seiner Mutter zurückzubringen (S. 25).

Seine Mutter erzieht Richard im protestantischen Glauben und er ist bis ins Alter hinein „damit befasst, das protestantische Erbe seiner Mutter abzuschütteln, den Grundzustand der Reue“ (S. 27). Daher tritt er im ersten Studienjahr aus der Kirche aus (S. 107). Er wächst mit seiner Familie in der DDR auf, in der er später auch mit seiner Frau lebt. Als Kind lernt er Klavier spielen und manchmal bügelt seine Mutter, wenn er übt: „…deshalb meint er noch heute, wenn er Bachs Inventionen im Radio hört, es rieche plötzlich nach frischgewaschener Wäsche“ (S. 152).

DDR-Zeit

Während der Zeit, in der Richard in der DDR lebt, wird er von einem Kollegen und der Stasi beobachtet. 1995 findet er in seiner Akte einen Bericht darüber, dass dieser Kollege ihn gegenüber dem totalitären System als arrogant bezeichnet und darauf hinweist, dass seine politisch-ideologischen Positionen starken Schwankungen unterliegen (S. 160). Für eine konspirative Zusammenarbeit ist Richard daher nicht geeignet. Ebenso werden sein Verhältnis zu seiner Geliebten sowie seine große Neigung und Kontaktfreudigkeit zum weiblichen Geschlecht in dem Bericht erwähnt, die sich auch immer wieder im Roman zeigen.

Die Öffnung der Mauer empfindet der Ostdeutsche Richard als praktisch, was seinen Arbeitsweg angeht. Er verspürt in diesem Moment keinerlei sentimentale Empfindungen (S. 45). Auch Jahrzehnte nach der Wende hat er immer noch Probleme, sich in Westberlin zurechtzufinden (S. 35). Er schafft es daher nur schwer, mit dem Auto ins Zentrum von Berlin zu fahren: „Seit die Mauer weg ist, ist die Stadt doppelt so groß und hat sich so sehr verändert, dass er jetzt oft nicht einmal weiß, an welcher Kreuzung er steht.“ (S. 40-41).

Richard und Christel

Richard kennt seine Frau bereits seit seinem Studium und ist seit dieser Zeit auch mit ihr zusammen. Als sie schwanger wird und Richard sein Studium noch nicht beendet hat, ist ihm der Zeitpunkt noch zu früh für eine Vaterschaft und er veranlasst sie dazu, eine illegale Abtreibung auf dem Küchentisch einer Frau vornehmen zu lassen (S. 347). Christel ist danach sehr schwach und in der U-Bahn sieht Richard, dass ihr Blut das Bein herunterläuft. In diesem Moment schämt er sich sehr für sie und hasst sie dafür, dass sie beinahe stirbt (S. 348). Dieses Erlebnis führt dazu, dass das Paar beschließt, keine Kinder zu haben (S. 204).

Marion vertraut Christel an, dass sie gerne Kinder gehabt hätte. Als Richard dies im Frühjahr 2014 erfährt, scheint er ü...

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