Rashid (Der Blitzeschleuderer)

Raschids Leben in Nigeria

Richard lernt Rashid bei seinem ersten Besuch im Flüchtlingsheim kennen, das sich nicht weit von seinem Haus befindet. Der junge Mann stammt aus dem Norden Nigerias, aber nicht von der Küste. Raschid gehört dem Yoruba-Volk an, von denen die meisten Christen sind, aber er ist Moslem. Er ist ein Mann mit massiger Gestalt. Richard denkt beim ersten Treffen, dass es ihm aufgrund seiner Körperfülle nicht so schlecht gehen kann (S. 60). Raschid erzählt nachfolgend Richard seine Lebensgeschichte.

Raschids Vater ist sehr beliebt und jeder will ihm seine Tochter zur Frau geben. Er ist schließlich mit fünf Frauen verheiratet und hat vierundzwanzig Kinder. Raschid ist der erste Sohn nach zehn Töchtern von der dritten Frau seines Vaters (S. 109). Jeden Morgen gibt der Vater all seinen Kindern Essensgeld für den Schultag. Sie werden von einem Lieferwagen abgeholt und zusammen mit anderen Kindern in die Schule gebracht. Dort erhalten sie Unterricht in Englisch, Mathematik und im Nebenfach Hausa.

Als Erwachsener besucht Raschid eine Berufsschule und lernt Schlosser (S. 109). Er baut Metalltore, wie dasjenige, das Richard vor seinem Haus hat (S. 233). Anhand seiner Zeichnung erkennt Richard, dass Raschid viel von seinem Handwerk versteht. Für Raschid ist Arbeiten „so natürlich wie Atmen“ (S. 241), weshalb er unbedingt wieder in Deutschland zu arbeiten anfangen will. Vier seiner Schwestern besuchen eine höhere Schule, eine studiert und wird Lehrerin (S. 110).

Raschid hat zum Zeitpunkt seiner Flucht nach Libyen mit seiner Frau den beinahe dreijährigen Sohn Ahmed und die fünfjährige Tochter Amina (S. 236). So verläuft seinen Alltag in Tripolis: Um acht Uhr morgens gehen sie aus dem Haus und Raschid bringt seine Kinder zur Schule, bevor er zu seiner Firma geht, die sich in der Nähe der Schule befindet. Seine Frau arbeitet in einem anderen Viertel. Zwischen halb eins und eins kommen die Kinder aus der Schule und spielen in der Werkstatt von Raschid. Manchmal kommt seine Frau, um sie dort abzuholen, manchmal treffen sie sich erst zu Hause. Das Abendbrot kocht immer Raschid, bevor die Kinder zu Bett gehen. Gegen halb elf geht auch er mit seiner Frau schlafen, oft kommt sein Sohn zu ihnen, da er viel träumt, und seine Frau legt sich dann zu ihrer Tochter (S. 236-237).

Überfall in Nigeria und neues Leben in Libyen

An dem Tag, an dem Raschid im Jahr 2000 mit seiner Familie und anderen Moslems das Ende des Ramadans mit dem Fest Eid Mubarak feiern will, werden sie nach dem Ende des Gebets am Vormittag von bewaffneten Menschen überfallen. Raschids zweiundsiebzig Jahre alter Vater wird gezwungen, mit seinen Entführern in seinem Auto vor die Stadt zu fahren, wo sie ihn in seinem Auto verbrennen.

Eine bewaffnete Meute zieht durch die Stadt, tötet Moslems und zündet ihre Häuser an (S. 111-112). Seine gesamte Familie flüchtet sofort aus der Stadt, um sich zu verstecken. Kurze Zeit später wird das Wohnhaus von Raschids Familie abgebrannt (S. 113). An diesem Tag verliert Raschid sein gesamtes altes Leben und seinen Vater, der für ihn alles war: „Mein Vater ist tot, sagt er. Und ich – ich weiß nicht mehr, wer ich bin.“ (S. 80 ). Er nimmt Abschied von seiner Mutter und ge...

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