Karon Anubo (Der Dünne mit dem Besen)

Die fleißige Jugend und der Tod des Vaters

Richard trifft nach einem Gespräch mit den Flüchtlingen im unbewohnten Flur des 1. Stocks des Heims auf einen dünnen Flüchtling, der dort den Flur kehrt. Er trägt eine gelbe, zerlöcherte Trainingshose (S. 135) und stammt aus Ghana. Karon erzählt Richard in der nächsten Zeit seine Lebensgeschichte:

Im Alter von acht oder neun Jahren wird der junge Ghanaer von seinen Eltern bei der Stiefmutter gelassen, der ersten Frau seines Vaters. Seine beiden Brüder und seine Schwester ziehen in ein anderes Dorf. Im Alter von elf Jahren beginnt er, auf den Feldern für 30 Cent in der Stunde zu arbeiten. Bis zu seinem achtzehnten Geburtstag hat er so viel gespart, dass er einen kleinen Kiosk eröffnen kann. Mit neunzehn Jahren verkauft er diesen wieder und geht nach Kumasi, nachdem er sich von seiner Familie verabschiedet hat (S. 136).

Dort beginnt er als Helfer für zwei Händler zu arbeiten, die auf der Straße Schuhe verkaufen. Er lernt ein Mädchen kennen, aber er erhält nicht die Erlaubnis ihrer Eltern, sie zu heiraten, da er zu arm ist. Er ruft sie später noch zwei Mal aus Deutschland an, wirft dann aber ihre Nummer fort (S. 344). Die beiden Händler, für die er arbeitet, gehen pleite und er kehrt kurz zu seiner Familie zurück, bei der aber er nur eine Nacht bleiben kann, da ihr Zimmer zu klein ist. Er fühlt sich in dieser Zeit sehr unwohl (S. 136).

Er beginnt, auf einer Farm zu arbeiten, auf der er sich um die Tiere kümmert. Doch der Besitzer der Tiere behält seinen Lohn ein, da ihn angeblich Karons Verpflegung so viel kostet. In drei Nächten hintereinander hat er den Traum, dass sein Vater gestorben ist. Kurz darauf erhält er die Nachricht von dessen Tod. Er hat nicht genug Geld, um zur großen Trauerfeier für seinen Vater zu fahren, die in acht Wochen stattfinden soll (S. 137).

Als Karon nach vier Wochen wieder keinen Lohn erhält, geht er zu einem anderen Bauern und arbeitet für ihn von vier Uhr morgens bis halb sieben am Abend. Nur mithilfe eines Mädchens, das ihm zu Essen gibt, schafft er es, in den folgenden vier Wochen genug Geld für die Reise und ein Opfertier aufzubringen. Mit einer Ziege reist er in Bussen und Taxen über Nkawkaw, Kumasi, Tepa und Mim zur Trauerfeier. Dort opfert er das Tier und übernachtet wieder eine Nacht bei seiner Familie. Er muss nun für sie sorgen.

Schuh- und Medikamentenverkäufer

Karon nimmt daher in einem benachbarten Dorf Arbeit auf einer Kakaoplantage an. Nach einem Jahr geht er mit dem dort verdienten Geld nach Accra und beginnt, als Schuhverkäufer zu arbeiten. Seine Lebens- und Arbeitsbedingungen sind sehr hart und als er von...

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