Erzähltechnik

Personaler Erzähler

Im Gegensatz zum Ich-Erzähler ist der personale Erzähler zwar Teil der geschilderten Welt, aber seine Innenwelt wird nicht in der Ich Form, sondern in der 3. Person wiedergegeben. Er ist damit homodiegetisch. Er schlüpft in die Hauptperson Richard hinein und erzählt aus ihrer Perspektive.

Der personale Erzähler gewinnt damit Einblick in die Innenwelt des Altphilologen. Er beschreibt daher seine Gedanken, seine Gefühle und seine Handlung aus seiner Sicht. Mit seiner Emeritierung zu Beginn der Handlung ist der intellektuelle Altphilologe anfangs deshalb überfordert, denn „sein Kopf jedenfalls arbeitet noch, so wie immer“ (S. 9), als er an der Universität gelehrt und geforscht hat. Er muss sich zuerst daran gewöhnen, Zeit zu haben. Um diese innere Anspannung zu verdeutlichen, wird seine geistige Welt personal dargestellt: „Was fängt er jetzt an mit dem Kopf? Mit den Gedanken, die immer weiter denken in seinem Kopf?“ (S. 9).

Der Leser weiß durch diese Erzählhaltung nicht mehr und nicht weniger als Richard selbst. Dadurch kann er sich gut mit dem Hauptprotagonisten identifizieren, mit ihm fühlen und ihn beobachten. Durch die Konzentration auf Richards Wahrnehmung nimmt der Leser an dessen Eintauchen in die Welt der Flüchtlinge teil und erlebt es so, wie Richard selbst. Raschids vollständige Lebensgeschichte erfährt der Rezipient beispielsweise erst im Laufe des gemeinsamen Weihnachtsfestes mit Richard, vorher antwortet er teilweise nicht auf Fragen (S. 109).

Die Begrenzung der Erzählperspektive auf die personale Erzählhaltung lässt sich deutlich daran erkennen, dass die Gefühle und Gedanken der anderen Personen für Richard nicht immer eindeutig sind: „…und es scheint wirklich so, dass er sich nicht daran erinnert, den Professor heute Vormittag gesehen zu haben, als er vor Zorn schnaubend aus seinem Zimmer herausfuhr.“ (S. 106). Durch diese Erzähltechnik, bei welcher der personale Erzähler über die Innensicht auf Richard und über die Außensicht auf die übrigen Figuren verfügt, konzentriert sich die Handlung auf Richards subjektives Erleben.

Wechsel der personalen Erzählperspektive

Nur in Kapitel 27 (S. 164-170) ändert sich kurzzeitig die Erzählhaltung. Hier wechselt die personale Erzählperspektive Richards hin zu einer internen Fokalisierung von Awad, der Richard als „de[n] ältere[n] Herr“ mehrmals charakterisiert. So wird verdeutlicht, unter welchen schwerwiegenden Problemen der junge Ghanaer leidet und woher die Weinkrämpfe kommen, die teilweise stundenlang andauern.

In diese Welt aus Schmerz und Gewalt tritt Richard ein, der ihm Fragen zu seiner Herkunft stellt. Er wird in diesem Moment extern fokalisie...

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