Jakob van Hoddis

Als Sohn eines jüdischen Arztes wird Jakob van Hoddis, mit bürgerlichen Namen eigentlich Hans Davidsohn, 1887 in Berlin geboren. Ab dem Jahr 1906 beginnt er zunächst ein Architekturstudium, welches er aber abbricht, um 1907 in Jena ein Studium der Philologie und Philosophie aufzunehmen. Seinen neuen Namen gibt sich van Hoddis nach dem Tod seines Vaters 1909.

Van Hoddis wird psychisch schwer krank. Bereits seit 1912 machten sich die ersten Symptome bemerkbar und verschlimmerten sich so stark, dass er drei Jahre später fachlich rund um die Uhr betreut werden musste und sich zeitweise in psychiatrischen Kliniken aufhielt. Ab 1920 übernimmt sein Onkel die Vormundschaft für ihn. 1933 wird van Hoddis in eine Klinik in Sayn gebracht, die von den Nationalsozialisten geführt wird. Die Nationalsozialisten deportieren van Hoddis 1942 nach Polen, wo er vermutlich noch im gleichen Jahr ermordet wird.

Jakob van Hoddis beginnt schon während der Schulzeit, Gedichte zu verfassen. In Berlin gründet er zusammen mit Kurt Hiller 1909 den „Neuen Club“, einen literarischen Zirkel, der jungen Lyrikern eine Plattform bietet. In der Veranstaltungsreihe „Neopathetisches Cabaret“ trägt van Hoddis sein heute für den Expressionismus berühmtestes Gedicht „Weltende“ vor, das 1911 in der literarischen Zeitschrift „Aktion“ publiziert wird. Van Hoddis verfasst im Verhältnis zu anderen Lyrikern des Expressionismus nur eine kleine Anzahl an eigenen Gedichten.

In seinen Gedichten ist die Welt dem Individuum entfremdet und darum bedrohlich geworden. So behandelt van Hoddis das Motiv der Großstadt, des Dämonischen und des Untergangs bzw. des nahenden Weltendes. In einer Reihung von oft sprunghaften und paradoxen Sprachbildern werden seine Visionen zum Ausdruck gebracht. Neben melancholisch–düsteren bis grausamen schockierenden Metaphoriken zeigt er in seiner Lyrik einen ausgeprägten schwarzen Humor und bedient sich oft der Groteske als Stilmittel.